Gefährdetes Grün in großen Städten: Als ideeller Nachbar im Frankfurter Nordend bei Telefon Trottoir

Screen Telefon Trottoir auf vimeo

Screenshot aus Vimeo aus dem Film von „Telefon Trottoir“ in der Reihe „Nachbarn“.

Das engagierte Team von „Telefon Trottoir“ aus Frankfurt zeigt eigentlich nur Nachbarn aus dem Frankfurter Nordend, aber in ihrem aktuellen Film durfte ich zu Gast sein, um unter anderem über die bedrohte grüne Lunge am Günthersburgpark zu sprechen.

Den Film kann man auf vimeo sehen.
Hier geht es zur Webseite von Telefon Trottoir.

Blog und Blockade gegen Benko

Blow Up Bonn Fassade

Der Club soll raus, wenn es nach Investor Signa geht, der an diesem Ort in Bonn ohnehin am liebsten ein Shopping-Center bauen würde. Über dem Blow Up zog nun die Bürgerinitiative „Viva Viktoria“ ein.

Vor kurzem erst kam an dieser Stelle ein Bericht über den vermeintlichen Karstadt-Retter Benko (der allerdings deren Immobilien teilweise versilbert hat) und seine Absicht, in der Bonner Innenstadt ein Shopping-Center zu bauen, wogen die Bonner sich tapfer wehren. Nachdem die Signa-Gruppe nun langjährigen Mietern wie dem Club „Blow Up“ gekündigt hat, zog die Bonner Bürgerinitiative „Viva Viktoria“ kurzerhand selbst (als Untermieter) in eines der bedrohten Häuser ein, wie hier zu sehen. Sollten die Bürger etwa vorhaben, Benkos Politik der verödeten Häuser zu blockieren?

Von Bonn nach München: Dort ist Weiterlesen

Zweite Auflage „Verbietet das Bauen!“

Cover erste und zweite Auflage

An Details wie den abgenutzten Ecken erkennt man, dass es sich links um mein Reise-Exemplar der ersten Auflage handelt, während zukünftig die zweite Auflage mitfährt.

Vor drei Monaten stand an dieser Stelle eine Zwischenbilanz ein halbes Jahr nach Erscheinen des Buches „Verbietet das Bauen!“, und wie damals angekündigt ist es nun so weit: Die erste Auflage ist verbreitet, die zweite Auflage ist da!

Inhaltlich hat sich das Buch Weiterlesen

Nürnberger Bauwut

Aus Anlass von zwei Buchvorstellungen in Nürnberg (Termine unten) ein Film zum aktuellen Neubau dort sowie dazu, wie dieser Altbauten schadet.

Termine in Nürnberg:
Dienstag, 07. Juni, 19.00 Uhr Vortrag und Diskussion zu „Verbietet das Bauen!“, zu Abriss, Neubau und anderen Möglichkeiten, sowie am Di 27. September (mit Schwerpunkt auf Wohnen und Flüchtlingen), alles weitere auf hier meiner Webseite.

Die Teekasse des Filmschaffenden finden Sie hier. Danke!

Der Leserbrief, den das Deutsche Architektenblatt seinen Lesern vorenthalten will

Cover Deutsches Architektenblatt und "Verbietet das Bauen!"

Auf zwei Seiten hat das Deutsche Architektenblatt sich in der Mai-Ausgabe 2016 mit Pro und Contra mit meinem Buch „Verbietet das Bauen!“ beschäftigt, und das ist durchaus ehrenwert. Leider aber weigert sich das Magazin, meine Reaktion als Autor auf die geäußerte Kritik abzudrucken – hier ist sie:

Dass mein Buch „Verbietet das Bauen!“ Widerspruch weckt, überrascht nicht. Doch es verwundern die Contra-Argumente im Deutschen Architektenblatt: So heißt es sinngemäß, eine Bauverbot-Forderung sei egoistisch und nur im Sinne derjenigen, die bereits gut wohnten. Unzweifelhaft suchen viele Menschen Wohnungen, aber ist Neubau dafür die Lösung? Wenn es so wäre, dann hätten wir das Problem bereits gelöst, denn in den letzten zwanzig Jahren stieg die Zahl der Wohnungen um etwa sechs Millionen, obwohl die Einwohnerzahl sich kaum veränderte – aber trotzdem suchen vielerorts Menschen nach Wohnungen. Sollen wir nun etwa die nächsten sechs Millionen Wohnungen bauen, nur um wieder festzustellen, dass es nicht genug ist? Denken wir lieber darüber nach, was die Gründe für den Mangel sind, diskutieren über die Art und Weise unseres Wohnens und darüber, in welchen Städten wir leben möchten.

Denken wir zum Beispiel darüber nach, wie wir Weiterlesen

Benko bedroht Bonn

Baustellenbild Shopping-Center

„Blühende Landschaften“ versprach einst Helmut Kohl in den neuen Ländern, „blühende Städte“ versprechen Centermacher wie auf dem Bild in Duisburg – doch wenn man ihren Versprechungen nicht glaubt, werden sie böse, so wie jetzt die Signa-Gruppe in Bonn.

Passender könnte der Zeitpunkt nicht sein, mit dem Buch „Verbietet das Bauen!“ nach Bonn zu kommen (Vortrag am 19. Mai), denn was dort geschieht, übersteigt noch viele der darin geschilderten Machenschaften von Investoren an Rücksichtslosigkeit. Dabei hatte eigentlich alles gut ausgesehen für die Bürger: Als die Signa-Gruppe rund um René Benko drohte, ein Weiterlesen

Pro und Contra im Deutschen Architektenblatt: Ist Bauen Sünde?

Unter diesem Titel präsentiert das Deutsche Architektenblatt ein Pro und Contra zum Buch „Verbietet das Bauen!“: Der Architekt Michael Wilkens, Gründer der Baufrösche Kassel, schreibt das „Pro: Hört auf zu konsumieren!“. Dagegen argumentiert Roland Stimpel, Chefredakteur Deutsches Architektenblatt: „Contra: Diktatur der Erstarrung“.
Der Link zu beiden findet sich neben siebzig weiteren Medienberichten auf meiner Webseite, oder direkt hier.

Frühlingsauftakt so oder so…

Foto Nymphenburger Höfe

Möchten Sie an diesem Ort den Einzug des Frühlings genießen…

Zwei Fotos sendete ein Leser an den Blog „Verbietet das Bauen!“, die gut illustrieren, warum der Neubau von heute immer noch die beste Werbung für Weiterlesen

Augsburg vom „Kongress am Park“ zum „Grand Hotel Cosmopolis“

Foto Kongress am Park

Die Kongresshalle Augsburg des Architekten Max Speidel, 1972 eröffnet, firmiert heute als „Kongress am Park“.

Einige Bilder und Links nach meinem Besuch in Augsburg: Tolle Architektur beim Ort der Veranstaltung im „Kongress am Park“ samt Übernachtung im benachbarten Hochhaus. Dann Vortrag und Diskussion, mehr dazu beim BDA Augsburg-Schwaben und im Nachbericht der Augsburger Allgemeinen, hier zu lesen.
Büchertisch vom Online-Händler buch7, der 75 Prozent seines Gewinns in soziale, kulturelle und ökologische Projekte steckt, zum Beispiel in diese.
Zuvor ein Gang durch die wunderbare Innenstadt Augsburgs mit dem Architekten Michael Adamczyk, hin zum von ihm beim Umbau betreuten Grand Hotel Cosmopolis – aus einem Weiterlesen

Kein Neubau ist besser als das Französische Viertel Tübingen

Foto Französisches Viertel.

Unten Ladenlokale (zum Beispiel vorn rechts ein kleiner Gewerbebetrieb), oben Wohnungen, und am Straßenrand keine Autos: eine typische Straße im Französischen Viertel Tübingen.

„Wenn Neubau überall so aussähe wie im Französischen Viertel“, beginnt ein Satz auf Seite 52 des Buches Verbietet das Bauen!, und ganz ähnlich zitiert mich der Reutlinger General-Anzeiger in seinem Beitrag zu meinem Vortrag in Tübingen. Soweit ist das völlig korrekt, und auch ein weiteres Zitat meines Vortrags trifft zu, dass nämlich der Städtebau im Französischen Viertel „meilenweit besser als das, was sonst überall entsteht“ ist. Entscheidend ist aber, wie der einleitende Satz weitergeht – und da muss ich dem Reutlinger General-Anzeiger widersprechen, der mich so interpretiert, dass ich bereit sei, für Tübingen „eine Ausnahme zu machen“. Zwar sehe ich die Vorteile des Französischen Viertels, wo tatsächlich nicht nur eine reine öde Wohnsiedlung entstanden ist (oder ein Büroviertel), sondern ein Stück Stadt, wie bereits im Blog hier beschrieben. Aber bezüglich zweierlei Aspekten habe ich dann auch vor Ort bei meinem Vortrag doch Kritik geübt.

Zum einen ist leider selbst in Tübingen kein Neubau besser als das Französische Viertel, weil Weiterlesen

Milliarden für Neubau und das Grundgesetz ändern

Neubau Beispiel

Weil viele Flüchtlinge kommen, lässt sich derzeit schier endlose Förderung von Neubau durchsetzen. Im Bundestag wird nun das Gesetz für eine Sonder-Abschreibung behandelt, mit deren Hilfe Investoren in den ersten drei Jahren 35 Prozent absetzen können (statt sonst 6). Sonder-Abschreibung, erinnern wir uns da nicht an etwas? In der Tat, es gab sie bereits in den 1990er Jahren, um nach der Wiedervereinigung Investoren in die neuen Länder zu locken. Das hat auch geklappt, denn es wurde gebaut wie lange vorher und nachher nicht. Nur leider viel Unsinn, denn die hohen Abschreibungen lockten alle möglichen Anleger, die wenig bis gar nicht darauf achteten, was mit ihrem Geld gebaut wird – und so entstanden Wohnungen in Gegenden, aus denen die Menschen wegzogen. Zwanzig Jahre später scheint das vergessen, obwohl es lohnt, nochmal kurz Weiterlesen

Ein halbes Jahr Buch „Verbietet das Bauen!“

Berlin Straße des 17. Juni

Straße des 17. Juni in Berlin mit der Siegessäule im Hintergrund.

24. Februar 2016, im Zug aus Berlin, Rückfahrt von einem Gespräch zur Bauwirtschaft bei der Bundestagsfraktion von Bündnis90/Die Grünen, als Experte zusammen mit Vertreterinnen der Bundesarchitektenkammer, der Wohnungswirtschaft und einem Vertreter der Industriegewerkschaft Bau. Diese Einladung steht beispielhaft für die Aufmerksamkeit, die das Buch „Verbietet das Bauen!“ innerhalb von heute exakt einem halben Jahr bekommen hat. Herausragend ist die Resonanz der Medien mit ziemlich genau fünfzig Berichten in Radio, Fernsehen und Print, in Fachmedien, lokalen und nationalen Medien. Ein Kompliment an all die Journalistinnen und Journalisten, die sich gründlich mit den Thesen auseinandergesetzt haben, sie hinterfragten und darüber diskutierten.

Diskussionen gab es auch bei bis heute knapp zwanzig Buchvorstellungen, Vorträgen und Podiumsgesprächen, deren Veranstalter belegen, welch unterschiedliche Fachwelten sich mit dem Thema beschäftigen: Architekten und Immobilienwirtschaft, Umweltverbände und lokale Initiativen. Über tausend Besucher kamen zu den Veranstaltungen, lobten und kritisierten, stritten und lachten.

Als Betriebswirt und ehemaliger Verleger sind mir die harten Fakten wichtig, und so informiere ich Sie – in der von mir bei diesem Blog gepflegten Offenheit – darüber, dass nach einem halben Jahr Weiterlesen

Gegen Bauwut in Hamburg: Volksentscheid für Integration ohne Neubau

Tempelhofer Feld

Über 700.000 Berliner stimmten dafür, dass auf dem Tempelhofer Feld nicht gebaut werden darf. Ist das nun nicht mehr so wichtig, weil Flüchtlinge untergebracht werden müssen? Mehr dazu im Text.

Ein Text nicht nur aus Anlass der Buchvorstellung in Hamburg am 15.02. (siehe unten).

Einen Text über Bauen oder Nichtbauen in Hamburg mit einem Foto vom Tempelhofer Feld zu bebildern, ist kein Irrtum: Hier wie dort geht es derzeit darum, ob jetzt angesichts des Zuzugs der Flüchtlinge schnell und billig gebaut werden soll – und zwar überall, sogar in Landschaftsschutzgebieten in Hamburg und auf dem Tempelhofer Feld in Berlin. Dort hatte ein Bürgerentscheid dafür gesorgt, dass es als Freiraum erhalten bleibt, wie auf diesem Blog in vielen Beiträgen geschildert und auch im Buch „Verbietet das Bauen!“ thematisiert. Nun aber plant der Berliner Senat mehr und mehr Bauten für Flüchtlinge am Rande des Feldes, Provisorien, so heißt es; doch es bleibt die Befürchtung, dass mancher Politiker diese Gelegenheit nutzen möchte, die Niederlage der Neubau-Lobby beim Volksentscheid auszuhebeln. Nach Protesten wurden die Pläne geändert, aber trotzdem lässt das, was dort nun geplant ist, um die Chancen von Integration fürchten: bis zu 7.000 Flüchtlinge sollen auf dem Gelände unterkommen, wie etwa der Tagesspiegel berichtet.

Es ist genau diese Sorge, dass Integration scheitert, wenn tausende Flüchtlinge in eigens dafür errichteten Bauten untergebracht werden, die nun in Hamburg zu einem Volksentscheid führen wird. Gleich sieben Weiterlesen

Bauwut in Hamburg: Roter Stein und grüne Wiese

Elbphilharmonie Hamburg

Ein Text aus Anlass von zwei Veranstaltungen in Hamburg am 19.01. und 15.02. (siehe unten).

Man kann auch Gutes an Hamburgs Neubauten finden. Man kann sich zum Beispiel darüber freuen, dass ein renommiertes Architekturbüro eine neue Philharmonie entworfen hat, die schon Jahre vor ihrer Eröffnung zum neuen Wahrzeichen der Stadt wurde. Und man kann die handstreichartige Übernahme großer Flächen an der Elbe durch die Stadt bewundern, auf denen nun die HafenCity entsteht. Und dort gibt es einige architektonisch gelungene Bauten, in einer gewissen Mischung von Arbeiten, Einkaufen und Wohnen, und so kommt der Autor Til Briegleb in der Süddeutschen Zeitung zum Urteil, die HafenCity sei „eine urbane Erfolgsgeschichte – jedenfalls im Vergleich zu den allermeisten Stadterweiterungen aktuell in Deutschland.“ So gesehen hat er leider Recht: Anderswo ist es noch schlimmer, es entstehen „Klötzchensammlungen“ und „einfallslos gestaltete Schlafstädte“, wie Briegleb schreibt. Aber das macht die HafenCity noch lange nicht zum Vorbild, sondern sie bleibt Weiterlesen

Bauwut und Bruchbuden in Bayern

Arnulfpark München

So wie hier im Arnulfpark München sieht Neubau heutzutage oft aus. Alle Fotos: Daniel Fuhrhop.

Ein Text aus Anlass der Buchvorstellung „Verbietet das Bauen!“ am 12.01. in München (siehe unten).

Arnulfpark München: Wohnhäuser links, Bürohäuser rechts, dazwischen ein Streifen Grün – eine lebendige Stadt sieht anders aus. Münchner Mieten von zwanzig Euro und Kaufpreise von sechstausend Euro je Quadratmeter strafen all jene Lügen, die behaupten, Neubau sei sozial. Und wie wenig ökologisch Bauen ist, zeigen nicht nur die zugebauten ehemaligen Bahnflächen beim Arnulfpark und am Hirschgarten, sondern auch die 85 Hektar Baugebiet in München-Freiham exakt am Stadtrand. Doch trotz dieser abschreckenden Beispiele: Käme Bayern wirklich ohne Neubau aus angesichts des Zustroms neuer Bewohner und Firmen?

Aber nicht ganz Bayern boomt, sondern vor allem die Region München und einige Großstädte wie Regensburg, Ingolstadt und Nürnberg; und sogar in diesen Boomstädten ist noch Platz: Weiterlesen

Live like Kings in Bremerhaven

Gunnar vor dem Haus

Gunnar, 69,5 qm, 1 Person. Foto: EPICTURES Photography – Tim Müller-Zitzke.

“Viele Menschen kennen nicht den Charme vermeintlich unattraktiver Städte und Bezirke. Wer einmal in Bremerhaven den frischen Wind der Nordsee spürt, der versteht kaum, dass hier jahrelang viele Leute wegzogen.“ So steht es auf Seite 140 von Verbietet das Bauen!, und auch Kapitel 6 handelt von einem Viertel in Bremerhaven, vom vorbildlichen Stadtumbau in Wulsdorf; doch hier soll es nun um die großzügigen Häuser der Gründerzeit gehen, wie sie vor allem der Stadtteil Lehe bietet. Was einen dort erwartet, dürfte Studierenden aus teuren Städten wie Freiburg und München Tränen in die Augen treiben – dazu schreibt der Fotograf Tim Müller-Zitzke, der selbst zum Studium in die Stadt kam: „Ich stellte schnell fest, dass Menschen in Bremerhaven die Möglichkeit geboten wird, für wenig Geld unglaublich schön zu wohnen. Ein Glücksgriff. Kapitänsvillen, ehemalige Hotelsuiten, helle Wohnungen mit Balkon zur See: Lebensräume, die in anderen Städten ausschließlich für elitäre Kreise zugänglich sind. Bei absolut zentraler Lage.“

Zehn Fotos aus dem Projekt „Live like Kings“ sollen einen Anreiz dazu geben, Weiterlesen

Flüchtlinge als Anlass: Kredite für Neubau in der Schrumpfregion?

Eine kleine Meldung ergänzt die jüngsten Texte dieses Blogs zur Unterbringung von Flüchtlingen und die Argumente des Buches Verbietet das Bauen! zur Bekämpfung der regionalen Ungleichheit: Das Land Brandenburg erhält als erste Region der EU einen Kredit, um Unterkünfte für Flüchtlinge herzurichten, steht zum Beispiel hier. Genau genommen gibt die EU dem Land Geld, das dann seinen Kommunen Kredite gibt – und die dürfen damit durchaus auch den Umbau fördern, etwa von leerstehenden Plattenbauten. Aber das Geld ist ebenso für Neubau einsetzbar, und zwar ohne regionale Beschränkung im ganzen Land Brandenburg, wie die Förderbank ILB bei den Konditionen ausführt. Im ganzen Land Brandenburg… war da nicht etwas? Handelt es sich da nicht um eines der Bundesländer, wo in manchen Landkreisen über Weiterlesen

Platz für Flüchtlinge

Leerstehendes Haus in Bad Kreuznach

Ein leerstehendes Haus in Bad Kreuznach, zum Abriss vorbereitet.

Wir können die Flüchtlinge in vorhandenen Häusern unterbringen, hieß es im vorigen Beitrag zum ZEIT-Artikel „Flüchtlinge brauchen keinen Neubau“. Doch wieviel Platz bieten Altbauten wirklich? Wie groß die Reserven sind, macht ein Gedankenspiel deutlich: Es gibt gut vierzig Millionen Wohnungen hierzulande. In der Nachkriegszeit lag die Wohnfläche in Deutschland bei 15 Quadratmeter pro Person, heute sind es 45 Quadratmeter. Nehmen wir einmal an, wir würden auch nur ein Zehntel raumsparender wohnen, dann wären wir immer noch weit von der Enge der Nachkriegszeit entfernt, und würden dennoch vier Millionen Wohnungen freiräumen, in denen zehn Millionen Flüchtlinge Platz fänden. Die Werkzeuge, um diesen Raum zu gewinnen, lauten Zusammenrücken, Zusammenziehen und Umziehen.

Zusammenrücken

Schon jetzt nehmen viele Menschen Flüchtlinge in ihren Wohnungen auf. Sie räumen dafür Zimmer, die sie nicht unbedingt benötigen: Bei manchen zogen die Kinder aus und die Räume standen leer, andere haben kaum genutzte Musikzimmer, Werkräume oder Gästezimmer. Der Wohlstand machte es möglich, wenig darauf zu achten, wieviel Platz wir wirklich brauchen. Früher war Untermiete üblich, zum Beispiel indem ältere Alleinlebende junge Studierende beherbergen. Heute haben Eigentümer es nicht Weiterlesen

Flüchtlinge brauchen keinen Neubau

Cover Zeit

Blick auf die Ausgabe der ZEIT vom 10. Dezember mit dem Artikel, um den es im Folgenden geht.

Ein Begleitwort zu meinem aktuellen Beitrag in der ZEIT.

Im Frühjahr gingen zwischen dem Verlag und mir die letzten Änderungen für das Buch „Verbietet das Bauen!“ hin und her, Ende August 2015 ist es erschienen – und seitdem werden nahezu im Wochentakt die Fragen häufiger, ob die Thesen auch angesichts des Zuzugs der Flüchtlinge Bestand haben. Dass so viele Menschen jetzt nach Deutschland kommen, hat natürlich auch mich überrascht, und so geht es mir wie wohl allen Fachleuten in den Kommunen, in Politik und Verwaltung, in der Immobilienbranche und rund um Architektur, Bauen und Stadtplanung: Ich frage mich, wie wir die Flüchtlinge schnell und gut unterbringen können. Müssen wir dafür nun schnell, viel und billig neu bauen? Reichen die Reserven in den Altbauten? Wie groß sind diese Platzreserven überhaupt? In einem Beitrag in der ZEIT vom 10.12. suche ich nach Antworten auf diese Fragen und schildere die aktuellen Entwicklungen in der Diskussion um Bauen und Nichtbauen, Abriss und Leerstand. Eines sei vorab gesagt: Die Frage der Flüchtlinge Weiterlesen

Befreiung vom Überfluss des Bauens

Bücher "Verbietet das Bauen!" und "Befreiung vom Überfluss"

Drei Jahre jung und schon ein Klassiker: „Befreiung vom Überfluss“ von Niko Paech. Ebenso im oekom Verlag erschienen, aber erst im Herbstprogramm 2015: „Verbietet das Bauen!“ von Daniel Fuhrhop. Wie sich die Inhalte der beiden Bücher berühren, darum geht es im folgenden Text.

Aus Anlass des Vortrags zu „Verbietet das Bauen!“ in der Ringvorlesung Postwachstumsökonomie in Oldenburg am 9.12.2015 ein Text zu Bauen und Nichtbauen in den beiden Büchern Verbietet das Bauen! und Befreiung vom Überfluss.

Warum sind wir so wohlhabend? „Die enormen Steigerungen des materiellen Wohlstandes seit Beginn der Industrialisierung beruhen allein auf ökologischer Plünderung“, schreibt Niko Paech in seinem Buch zur Postwachstumsökonomie (Seite 56). Wenn wir uns von dieser Art des Wirtschaftens verabschieden, so argumentiert er, dann wäre dies eine „Befreiung vom Überfluss“ – wir gewönnen an Lebensqualität, indem wir zum „menschlichen Maß“ zurückkehren, so die Worte von Leopold Kohr und Friedrich Schumacher. Die Produktion von Gütern würde sinken, schreibt Niko Paech weiter, und der Einsatz menschlicher Arbeitskraft würde sich verschieben: „Handwerkliche und manuelle Tätigkeiten“ könnten „im Anschluss an die eigentliche Produktion dazu beitragen, dass die Güter länger genutzt und ausgeschöpft werden. Mittels eigener Instandhaltungs-, Pflege- und Reparaturmaßnahmen ließe sich die Nutzungsdauer der Produkte verlängern“ (Seite 60). Dieser Gedanke lässt sich auf Gebäude übertragen: Je weniger wir neu bauen, desto mehr Weiterlesen

FOC-Irrsinn in Düsseldorf-Nord

Ausschnitt Ortsschild Düsseldorf-Nord

Der Pfeil geht nach oben, in die Luft, die hoffentlich gut ist.

Ist denn schon Karneval am Rhein? Dessen letzte Tage sind die tollsten, und so geht es auch in Duisburg wild zu, wo (noch) ein Factory Outlet Center (FOC) geplant wird. Mit „Irrsinn“ ist diesmal aber nicht gemeint, was ohnehin schon irrwitzig ist: der drohende Abriss von um die 300 Wohnungen in der Zinkhüttensiedlung des Architekten Max Taut für ein FOC – er passt leider zur bereits vollendeten Zerstörung von über hundert Häusern (!) in Duisburg-Bruckhausen für einen „Grüngürtel“. Dort vernichten Abrissbagger ein Stadtviertel, andernorts suchen wir dringend Platz für Flüchtlinge, auf diesen Zusammenhang machte unlängst Dankwart Guratzsch in der Tageszeitung Die Welt aufmerksam. Aber zusätzlich zu diesem ganz normalen Wahnsinn überraschten nun Pläne, die in ihrer Abgedrehtheit nur ein Zeichen dafür sein können, dass die tollen Tage der FOC-Planung in Duisburg ihrem Höhepunkt und zugleich ihrem Ende entgegengehen: Da sich neben dem geplanten Ort des Factory Outlet Centers eine Metall- und Chemiefabrik der Grillo-Werke AG befindet, hatten Planer und Politiker die Frage zu beantworten, was denn bei einem Störfall geschehe, wenn giftige Gase entweichen. Eine Antwort des Investors, von der CDU-Stadtrat Rainer Enzweiler berichtete: Weiterlesen

Freiburg: Veranstaltung zum Stadtumbau

Screen Webseite Wasserpark Europa Park Rust

Freude über 120 Hektar Erweiterung auf der Webseite www.wasserpark-rust.de/ für den Ableger des Europa Parks Rust nahe bei Freiburg.

Passend zum UN-Tag des Bodens gibt es in Freiburg am Sonnabend, den 5.12. mehrere Vorträge, darunter einen zu „Verbietet das Bauen!“ – und darum vorab ein Blick auf das Bauen in der Region. Sie gehört zu jenen, wo auf das Buch oft die Reaktion kommt, man müsse ja durchaus kritisch sein gegenüber dem vielen Neubau, aber hier, nein hier gehe es nun wirklich nicht anders, es kämen so viele Menschen, dass man unbedingt neu bauen müsse. Was dann schon weniger überzeugt, sind die Beispiele großflächiger Versiegelung rund um Freiburg herum: Da liefern sich zwei Freizeitparks einen Wettbewerb, wer schneller größer wird. Der Europa-Park Rust erweitert um einen Wasserpark und vermeldet stolz, dass Gebiet umfasse 120 Hektar (siehe Abbildung oben von dieser Quelle). Gleichzeitig aber wird das Badeparadies Titisee für Weiterlesen

„Verbietet das Bauen!“ in Herne, verkannteste Stadt Deutschlands

Tabelle mit Herne hinten

Der Ruhrpott ganz hinten: Ausschnitt der Auswertung von travel24 zur Anziehungskraft von Städten für Touristen.

Vor der Buchvorstellung am Mittwoch, den 25. November ein Blick nach Herne, entsprechend einer Studie eines Tourismus-Portals die „verkannteste Stadt Deutschlands„: Bei 138 Städten ging es um das Verhältnis der Zahl der Einwohner zur Zahl der Stadttouristen, und auf Platz 138 landete Herne. Nicht weit davor rangiert Duisburg, und schon sind wir bei Kapitel 11 des Buches Verbietet das Bauen!, das etwa zehn Werkzeuge vorschlägt, um die Ungleichheit der Regionen zu mindern. Doch manchmal, so heißt es weiter, sitzen Vorurteile zu tief, und es bleibt nur eins – die Umbenennung. Ironisch überzogen kommt daher der Vorschlag, Duisburg in Düsseldorf-Nord umzubenennen. Die Reaktion damals beim führenden Duisburger Gewerbemakler Axel Quester war beabsichtigt: Aufmerksamkeit, Widerspruch, Umdenken. Und so findet sich nun auch zu Herne ein Blog, der sagt, jetzt gelte es, Aufbruchstimmung zu wecken.

Unbestreitbar aber sinkt die Einwohnerzahl von Herne und im Ruhrgebiet, und wie in so vielen schrumpfenden Städten drängt sich die Frage auf: Ist das Weiterlesen

Krach im bergischen Center-Dreieck

Bild FOC Planung Solingen

Drei Scheine, drei Städte: PR-Bild des geplanten Factory Outlet-Centers in Solingen, im bergischen Dreieck.

Es grenzt an Ironie: Die drei Städte des bergischen Dreiecks waren selbst in diesem Jahr vereint am gemeinsamen Stand auf der Immobilienmesse Expo Real. Es gab auch keine Schaukämpfe, um den Streit der Centerplaner symbolisch auszutragen, von dem an dieser Stelle im Beitrag über das bergische Center-Dreieck die Rede war – Remscheid will schon länger ein großes Factory Outlet Center (FOC) im Stadtteil Lennep bauen lassen, Wuppertal hält dagegen mit dem Ausbau zweier großer Gebäude zu einem FOC, der ehemaligen Bundesbahndirektion und der am Bahnhof gelegenen Post. Während es schien, als unterhielten sich die Vertreter beider Städte höflich frostig am Messestand, täuschte da der Eindruck, dass manche Personen beim Dritten im Bunde ein klammheimliches Grinsen nicht unterdrücken konnten? In der Ecke von Solingen nämlich Weiterlesen

Bauen und Wohnen in Gemeinschaft

Bild des besprochenen Katalogs

Nur wenige möchten gemeinsam Hühner halten, aber viele möchten mit anderen grillen – das kam heraus, als die zukünftigen Bewohner des R50 genannten Gebäudes in Berlin sich dazu äußerten, welche Räume sie miteinander teilen wollen. Neben diesen sehr speziellen Zwecken kreisten die Fragen um den Kern gemeinschaftlichen Lebens: Gästewohnungen oder Gemeinschaftsküche, Arbeitsräume oder Garten. Welche Räume die Bewohner des R50 nun letztlich teilen, zeigt eine Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum ebenso wie der zugehörige Katalog. Und die Fragen beim R50 weisen darauf hin, wie unterschiedlich man den Begriff des „Gemeinsamen“ verstehen kann. Sehr vielfältig sind denn auch die gut zwei Dutzend Beispiele, die Ausstellung und Katalog vereinen; bei manchen wundert es beinahe, wie sie es überhaupt in die Auswahl geschafft haben, und doch verdeutlicht der Gegensatz zwischen den enger und den weiter reichenden Gemeinschaften die Möglichkeiten des Wohnens.

So wirken manche der Gemeinschaftsprojekte wie fast zufällig benachbarte Häuser, die wenig gemein haben – in einem Fall lediglich eine Spielstraße dazwischen (Doppelhäuser in Dießen am Ammersee). Das ist kein Vorwurf an die Bauherren, denn besser Weiterlesen

„Verbietet das Bauen!“ in Kassel

Screen Webseite BI Pro Langes Feld

Von der Webseite der BI „Pro Langes Feld“ (Quelle: http://langesfeld.bplaced.de/fotos.php).

Vor der Buchvorstellung am Dienstag, den 3. November ein Blick nach Kassel – erstmal oben auf die einst grünen und gelben Wiesen im „Langen Feld“, wo trotz jahrelangen Widerstands einer Bürgerinitiative jetzt ein Gewerbegebiet auf 76 Hektar entsteht, was sich die Kommune siebzig Millionen Euro kosten lässt. Und dann ein Blick nach Kassel-Calden, das für zwei Themen steht, die das Buch Verbietet das Bauen! berührt: Zum einen dient darin der Flughafen als abschreckendes Beispiel eines Prestigeprojekts mit überzogenen Erwartungen und überzogenen Kosten. Zum anderen aber beherbergt ein Teil der Flächen jetzt Flüchtlinge, Weiterlesen

Bauwut in Saarbrücken

Hochschule für Musik Saar

Zurück von einer Fahrt zum Saarländischen Rundfunk und einem Gespräch über „Verbietet das Bauen!“ in der Reihe „Fragen an den Autor“ auf SR2, hier zu hören. Ergänzend hier einige Bilder aus Saarbrücken – oben die zu Beginn des Gespräches erwähnte Hochschule für Musik mit ihrem eleganten Bauteil aus den 1970er Jahren. Im 1980er-Jahre Bauteil (oben nicht zu sehen) blättert der Lack, aber gegenüber soll nun für 39 statt 9 Millionen Euro (wie ursprünglich geplant) das Saarlandmuseum erweitert werden. Es handelt sich um eine der berüchtigtesten Bauruinen bundesweit, seit einigen Jahren ruhen die Bauarbeiten, bald soll es wieder losgehen. Derzeit aber sieht es nach Rohbau aus: Weiterlesen

Bauverbot-Presseschau von FAZ bis Neues Deutschland

Presseartikel im Überblick

Wie oft mag es vorkommen, dass bei einem Buch sowohl die Frankfurter Allgemeine Zeitung als auch neues Deutschland lobende Worte finden? Beginnen wir einen Streifzug durch neue Besprechungen (als Fortsetzung der ersten Presseschau) mit der FAZ: „Gute Argumente“ sieht Arnold Bartetzky im Bauverbot-Buch, und fasst in rasanter Dichte viele Fakten und Beispiele gegen Neubau zusammen. Weniger überzeugen kann ihn aber, dass es auch gegen Neubau auf Brachen in wachsenden Städten geht. Bartetzky lobt den „leichtfüßigen Stil“ und den „Charme und Humor“, mit dem das Buch für die Ideen zur Neubauvermeidung wirbt. Diese jedoch, so schreibt er bedauernd, werden sich wohl kaum durchsetzen, denn Weiterlesen

Gemeinschaftliches im Wohnprojekt „Sargfabrik“

Eingang Wohnprojekt Sargfabrik

Sofort nach dem Eintritt in das Wohnprojekt Sargfabrik sieht man, wie im Innenhof die privaten Bereiche des Erdgeschosses in die öffentlichen Wege übergehen.

Aus dem Gepäck meiner Frühjahrs-Fahrt nach Wien hier einige Fotos vom Wohnprojekt „Sargfabrik“, das auf dem Gelände der ehemals größten habsburgischen Sargfabrik entstand. Wenn damit auf dem Blog ein Neubau vorgestellt wird, den auch das Buch „Verbietet das Bauen!“ erwähnt, dann wegen der vorbildlichen Gemeinschaftsflächen: Wenn wir lernen, anders miteinander zu wohnen und mehr Räume zu teilen, dann verbrauchen wir weniger Fläche pro Person – so mindern wir mit dem Bedarf an Wohnfläche letztlich auch den Neubau. Was genau hierbei geteilt wird, davon geben die zehn Bilder einen Eindruck. Eigentlich handelt es sich bei der Sargfabrik und dem Nebenprojekt Miss Sargfabrik nicht nur um ein Weiterlesen

Wirtschaftsförderung 4.0

Umgestaltetes Logo "don`t visit berlin"

Dieses satirisch ins Gegenteil verkehrte Logo des Berliner Stadtmarketing illustriert eine Idee des Buches „Verbietet das Bauen!“: Für überfüllte Metropolen nicht mehr werben, sondern abschrecken. Auf welche ganz andere Art Stadtmarketing sinnvoller eingesetzt werden könnte, schildert der Text.

Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing verfolgen bisher das Ziel, Wachstum um jeden Preis zu schaffen: Mehr Unternehmen in die Städte holen, mehr Touristen anlocken. Das passt allerdings nicht mehr in eine Zeit, in der die Metropolen unter der Last des Erfolgs leiden, unter explodierenden Mieten und Kaufpreisen sowie unter Touristenströmen. Darum schlägt das Buch Verbietet das Bauen! in Kapitel 11 vor, die Förder-Institutionen in ihr Gegenteil zu verkehren und zu einem „Anti-Stadtmarketing“ umzuwandeln. Die Betonung der hohen Preise und Preissteigerungen soll Provinzler vom Zuzug abschrecken. Darüber hinaus sollten die Städte daran arbeiten, die überfüllten Stadtviertel unattraktiv zu machen („Prenzlauer Berg wird uncool“). Freilich steht gleich darauf eine Einschränkung zu lesen, die die Forderungen auf eine realistischere zurückschraubt: „Zugegeben, so eine Kampagne scheint derzeit noch fern. Doch ein erster Schritt wäre es, wenn die Boomregionen wenigstens nicht mehr in Werbung investierten.“ (Seite 138). Bei Buchvorstellungen füge ich die Alternative hinzu, dass die Gelder des Berliner Stadtmarketings in die verödende Uckermark fließen könnten, oder das Geld der Münchner Wirtschaftsförderung in schrumpfende Landstriche im bayrischen Wald. Nun aber gibt es mit einer Idee des Wissenschaftlers Michael Kopatz einen ganz anderen Vorschlag, der die rein auf Wachstum gerichtete Förderpolitik der Städte innovativ verändern würde: er nennt es Wirtschaftsförderung 4.0. Damit bezeichnet Kopatz die Förderung Weiterlesen