Bauüberfluss 2019 um ein Viertel gestiegen – rechnerisch 219.500 Wohnungen zu viel gebaut

 

Grafik Bauüberfluss

Der Bauüberfluss ist 2019 um ein Viertel gestiegen: rechnerisch wurden 219.500 Wohnungen zu viel gebaut (nach 173.900 im Vorjahr). Dabei überlagern sich zwei Entwicklungen – zum einen stieg die Einwohnerzahl Deutschlands mit 147.000 so wenig wie seit 2012 nicht mehr. Bei einer durchschnittlichen Haushaltsgröße von 2,0 wären daher nur 73.500 zusätzliche Wohnungen erforderlich gewesen. Fertiggestellt wurden 2019 jedoch 293.000 Wohnungen (davon 260.791 im Neubau, der Rest durch Umbau). So ergibt sich ein Bauüberfluss von 219.500 Wohnungen, die rechnerisch zu viel gebaut wurden.

Genau genommen handelt es sich um den Bauüberfluss erster  Stufe, und in einer zweiten Stufe könnte man Ersatz für abgerissene Wohnungen addieren. Leider werden die Wohnungsabgänge in Deutschland nicht komplett erfasst, weil je nach Bundesland manche Abrisse nicht gemeldet werden müssen. Die Zahl könnte bei 20.000 liegen, andere nennen 80.000. Doch auch dann läge der Bauüberfluss zweiter Stufe bei mindestens 140.000. Näheres zur Berechnung siehe erweiterte Neuauflage der Streitschrift „Verbietet das Bauen!“, Seite 58 f.

Trotz des Bauüberflusses suchen zweifellos viele Menschen in Großstädten dringend eine Wohnung. Doch die Zahlen zeigen, dass der Grund dafür nicht in der Masse des Neubaus liegt, sondern an der Verteilung von Wohnraum. Aus drei Gründen fehlt Wohnraum, erstens Spekulation und Zweckentfremdung, zweitens eine ungleiche regionale Verteilung mit Boomstädten hier und schrumpfenden Orten dort, und drittens der unsichtbare Wohnraum. Hinter dem Begriff des unsichtbaren Wohnraums verbergen sich ungenutzte Zimmer, etwa leere Kinderzimmer nachdem die Kinder ausgezogen sind. Vor allem viele ältere Menschen wohnen allein im großen Haus und sind dort nicht unbedingt glücklich, sondern einsam. Wenn wir denjenigen helfen, die ihren zu großen Wohnraum anders nutzen möchten, handeln wir nicht nur sozial, sondern schaffen Wohnraum weitaus kostengünstiger als durch Neubau und vermeiden die Klimaschäden des Bauens.

Bauen ist für zwanzig bis dreißig Prozent der Treibhausgase verantwortlich. Darum ist es nach der Flugscham Zeit für eine Bauscham. Obendrein ist Neubau unnötig, wie die um ein Viertel gestiegene Zahl des Bauüberflusses 2019 zeigt. Anstatt mit über 250.000 neu gebauten Wohnungen das Klima weiter zu zerstören, sollten wir die über 42 Millionen Altbauwohnungen besser nutzen. Hierfür brauchen wir ein Programm zur Mobilisierung des unsichtbaren Wohnraums mit Förderung von Umbauten (Abtrennen von Einliegerwohnungen), Umzügen und Untermiete (Modell „Wohnen für Hilfe“).

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Grafik Bauüberfluss im Vergleich

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