Im brennenden Haus: Neue Inhalte im „Buch zur Bauscham“, der erweiterten Neuauflage von „Verbietet das Bauen!“ 2020

Ausschnitt Rückcover Buch

Ein Ausschnitt der Rückseite der bevorstehenden erweiterten Neuauflage.

Die Zeit ist reifer denn je für einen radikalen Buchtitel: Wenn es so weitergeht wie bisher, wird in acht Jahren das Budget für Treibhausgase verbraucht sein, dass noch zur Verfügung steht, damit wir die Erhitzung auf 1,5 Grad beschränken. Vor diesem Hintergrund reichen die aktuellen Bemühungen nicht aus, wie Greta Thunberg in ihrem zehnminütigen Beitrag vor der EU-Kommission betonte (ab Minute 27), denn wenn das Haus brennt, geht man nicht einfach wieder rein und schaut Fernsehen. Auch beim Bauen in Deutschland werden die Ziele des Klimaschutzpakets oder der derzeit diskutierten Änderungen beim Gebäudeenergiegesetz nicht ausreichen, zumal sie gleichzeitig zunichte gemacht werden durch vom Bund angefachte Bauwut in Form von Baulandkommission und Baukindergeld. Wir brauchen einen radikalen Wandel, der nicht lediglich darin bestehen darf, Bauten energieeffizienter zu machen – das Bauen selbst muss in Frage gestellt werden, denn es verursacht zwanzig bis dreißig Prozent der Treibhausgase. Zeit für ein „Buch zur Bauscham“, und das stellt die erweiterte Neuauflage von „Verbietet das Bauen!“ dar – mit neuen Inhalten zu den ökologischen Folgen des Bauens, mit einem weitgehend neuen Kapitel zu Wohnungsmangel und Enteignungsforderungen, und mit einem neuen Kapitel zum Flächenverbrauch, das alle Lösungsvorschläge des Buches in einen neuen Zusammenhang stellt. Solch ein Umdenken wäre Teil eines Stadtwandels ohne Neubau, den wir in unserem vorhandenen Rechtssystem erreichen können. Das Buch sagt gleichzeitig drängender NEIN zum bisherigen Bauen, weil die Klimakrise dramatischer geworden ist, und es sagt klarer JA zu besseren Formen, unsere alten Häuser zu nutzen. Mit 100 Werkzeugen für Wohnraum und mehr Platz im Bestand ist das Bauverbot-Buch mehr denn je ein Raumwunder-Buch, eine Anleitung für persönliches und politisches Handeln ohne Neubau, ohne Abriss und Leerstand, ohne Flächenfraß. Ergänzend zum Film über die Neuauflage beim laufenden Crowdfunding (bitte mitmachen und bestellen!) folgt hier ein Ausblick auf alle neuen Inhalte.

Bauscham
Auf gut zwölf Seiten skizziert ein neues Eingangskapitel die Entwicklung seit der Erstauflage 2015 und die Änderungen und Erweiterungen, die dadurch nötig wurden: Das betrifft einerseits gesellschaftliche Entwicklungen, die vermeintlich Gegensätzliches verlangen, weniger Bauen (Klimakrise) oder doch mehr Bauen (wegen Wohnungsmangel und Mietenexplosion in Großstädten)!? Dazu gleich mehr, aber in die Neuauflage gehen auch Ergebnisse meiner eigenen Arbeit in den letzten Jahren ein, aus zwei weiteren Büchern zur Willkommensstadt wegen des Zuzugs vieler Flüchtlinge und dem Ratgeber Einfach anders wohnen mit persönlichen Tipps zum Platzsparen und Zusammenwohnen, die auch politisch wirken. Außerdem beteilige ich mich seit einem Jahr an einem Forschungsprojekt und habe Beispiele und Ideen aus der Wissenschaft gesammelt.
Das Kapitel 2 „Scheinbar ökologisches Bauen“ ist um zwei Seiten erweitert mit Ausführungen zu den Umweltschäden durch Beton, Zementherstellung und Sandabbau. Hier fällt der Begriff der Bauscham, den ich in diesem Blog im vorigen Sommer erstmals geprägt habe.

Investification
Das vorherige Kapitel 3 „Bauen ist unsozial“ ist weitgehend umgeschrieben, weil sich vor allem in den Großstädten die Lage drastisch geändert hat: 2015 ging es noch viel um Privatisierungen, etwa den Verkauf mehrerer hunderttausend Wohnungen in Berlin in den 1990ern und die Privatisierung der Dresdner kommunalen Wohnungen 2006. Heute aber diskutieren wir das Gegenteil, den Rückkauf einst privatisierter Wohnungen – oder die Enteignung privater Konzerne. Darum widmet sich das Buch jetzt der Rolle der „Finanzmarktjongleure mit angeschlossener Wohnungsabteilung“, wie Roman Grabolle sie nennt, also Vonovia & Co.
Die Gentrification wird zwar auch in der Neuauflage des Bauverbot-Buches thematisiert, aber kürzer, weil sie an Bedeutung durch eine extreme Entwicklung übertroffen wird: Was die Städte heute bedroht, ist nicht allein die Vertreibung ärmerer Menschen durch reichere, sondern ihre Vertreibung durch das Geld, durch das Investment. Diesen Prozess nenne ich Investification.

Die Lösung: Bauverbot konkret
Es gibt gute Nachrichten: Es eröffnet sich ein rechtlich machbarer Weg, die Bauwut weitreichend zu bremsen. Im neuen Kapitel 4 „Bauverbot konkret“ beschreibe ich das Volksbegehren gegen Flächenfraß in Bayern 2018 und die Vorschläge aus dem Umweltgutachten 2016 des Sachverständigenrates für Umweltfragen, mit deren Hilfe man den Flächenverbrauch auf Null senken könnte. Dadurch erscheint die Liste der „Werkzeuge für mehr Platz in Altbauten“ in diesem Buch in anderem Licht – sie wird zu einer Handlungsanweisung, von der Kommunen einige erprobte Methoden anwenden müssten (!), wenn sie überhaupt noch Baugebiete ausweisen möchten. Der Buchtitel ist spätestens jetzt keine reine Polemik, sondern das Bauen lässt sich erheblich einschränken, wenn wir es wollen.

Die Werkzeuge
Als Ergebnis von fünf Jahren weiterer Arbeit mit über hundert Vorträgen, zwei weiteren Sachbüchern und wissenschaftlicher Arbeit entstand eine (verdoppelte) Liste mit „100 Werkzeugen für Wohnraum und mehr Platz im Bestand“. Auf zwei Dutzend Seiten kann sich jeder davon überzeugen, welche Möglichkeiten wir haben, Wohnraum ohne Neubau zu schaffen.

Aktuell
Neben den großen Änderungen und Erweiterungen gibt es etwa 50 kleine Aktualisierungen: Der Flughafen BER kostet vermutlich nicht nur über fünf, sondern über sechs Milliarden Euro. Wir bauen jährlich so viele Wohnungen wie in einer Stadt wie Stuttgart, nicht nur wie Bonn. Es gibt weniger Leerstand bei Büros, aber mehr Neubau allerorten. Es gibt Gutes zu berichten: Die InnovationCity Bottrop hat ihre erfolgreiche Sanierungsarbeit fortgeführt, Cottbus hat die „Stadt auf Probe“ weiterentwickelt und das 2015 als Idee skizzierte Wohnpartner-Portal ist mehrfach Wirklichkeit geworden. Und Duisburg wurde symbolisch tatsächlich in Düsseldorf-Nord umbenannt…

 

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Erstens dranbleiben am Bauverbot-Blog durch Klassischen Newsletter, RSS-Feed (beide rechte Randspalte) oder über Facebook.

Zweitens nicht bis zum Erscheinen Ostern 2020 warten, sondern jetzt beim Crowdfunding die Neuauflage vorbestellen, ein oder zwei oder zehn Exemplare, und einen Baustein gegen das Bauen sichern. Hier geht es zum Crowdfunding.

Drittens: Weitersagen.

 

Ausschnitt des Rückcovers des Buches

 

Ein Gedanke zu „Im brennenden Haus: Neue Inhalte im „Buch zur Bauscham“, der erweiterten Neuauflage von „Verbietet das Bauen!“ 2020

  1. Thomas Bartsch-Hauschild

    Bauen bedeutet,das Arbeitsplatz und Wohnraumbedarf zusammengehören, derartige Zusammenhänge sind fundamental für die Stadt und Raumplanung.Die Verkehrssituation ist Zeitgleich
    ein entscheidender Faktor für die
    Lebensqualität und Umwelt.

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