Den Flächenfraß beenden

Fläche Fläche Fläche

Knapp sechzig Hektar am Tag beträgt der Flächenverbrauch in Deutschland, für Wohnsiedlungen, Gewerbegebiete oder zum Beispiel hier den BER Flughafen. Foto: Daniel Fuhrhop.

Mancher hält den Buchtitel »Verbietet das Bauen!“ lediglich für provozierende Polemik, und natürlich soll er auch provozieren, aber nicht nur: Im geänderten vierten Kapitel »Bauverbot konkret« können Sie nachlesen, wie wir weniger Äcker und Wiesen in Straßen und Bauland verwandeln und den sogenannten Flächenverbrauch auf Null senken können – das wäre zwar kein Bauverbot, würde aber das Bauen erheblich einschränken. Der folgende Auszug aus dem neuen Eingangskapitel beschreibt, wie das rechtsverbindlich möglich wäre – und endet mit der Frage, welche Werkzeuge wir Gemeinden in die Hand legen sollten. Antworten Sie mit!

In Bayern haben Naturschützer 2018 fast erreicht, den Flächenfraß zu begrenzen: Zwar hat der Bayrische Verfassungsgerichtshof das Volksbegehren »Betonflut eindämmen« vorerst gestoppt, aber nicht grundsätzlich abgelehnt. Man müsste nur genauer zeigen, wie die Kommunen das Ziel erreichen sollen. Dafür haben die Grünen 2019 einen neuen Entwurf vorgelegt. Sollte ein zweites Volksbegehren Erfolg haben, müsste das Land Bayern seinen Flächenverbrauch von derzeit über elf Hektar am Tag auf fünf Hektar mehr als halbieren. Das entspräche dem bayrischen Anteil am bundesweiten Flächenziel von dreißig Hektar.

Es wäre sogar möglich, ein Ende des Flächenverbrauchs festzuschreiben: Dreißig Hektar pro Tag lautet das Ziel der Bundesregierung, aber null Hektar, keine Fläche mehr verbrauchen, empfahl ihr 2016 der eigene Sachverständigenrat für Umweltfragen. Dadurch dürfte nur noch Fläche verbraucht werden, wenn sie anderswo wieder der Natur zurückgegeben wird. Dann geht kein Acker mehr verloren und das klimaschädliche Bauen hört fast auf. Bis 2030 sollte der Flächenverbrauch schrittweise von heute sechzig Hektar pro Tag auf Null zurückgehen.

In diesen zehn Jahren würde insgesamt noch eine sehr große Fläche für Straßen und Bauen geopfert. Wer darf sie verbrauchen? Dafür schlägt der Sachverständigenrat Regeln vor. So würde die noch verfügbare Fläche unter den Ländern und Gemeinden verteilt; damit aber eine Gemeinde den ihr zustehenden Anteil nutzen darf, müsste sie bestimmte Bedingungen erfüllen, vor allem Innenentwicklung betreiben und den Leerstand erfassen.

Hier schließen sich die Vorschläge dieses Buches an: Es enthielt schon in der Erstauflage 50 Werkzeuge, die Neubau überflüssig machen. Diese Neuauflage bietet nun 100 Werkzeuge für Wohnraum und mehr Platz im Bestand. Einige davon könnte man Gemeinden zur Bedingung machen, damit sie noch bauen dürfen. Dadurch liefern die Werkzeuge ein politisches Programm gegen Flächenverbrauch. Sie sind ein Suffizienzprogramm für den Stadtwandel, von dem Uwe Schneidewind in seinem Vorwort schreibt.

Welche Werkzeuge für Wohnraum und mehr Platz in Altbauten sollte man Gemeinden zur Bedingung machen, damit sie noch bauen dürfen? Hier drei Vorschläge:

  • Abriss nur nach Chancenprüfung: Wer abreißen will, müsste durch ein Gutachten die Chancen prüfen, alte Häuser umzubauen, umzunutzen, neu zu beleben (Werkzeug 2 im Buch).
  • Soziale Wohnraumvermittlung: Eigentümer begleiten, Wohnraum zu vermieten, am besten mit Mietgarantien – so dass sich Eigentümer wieder trauen und Platz für Bedürftige geschaffen wird (Werkzeug 22).
  • Flexibles Wohnen ermöglichen: Wohnraumförderung sollte Schalträume, Jokerzimmer und Clusterwohnungen umfassen, und solange die Bundesländer das ignorieren, sollten die Gemeinden einspringen (zu Werkzeug 87).

Was denken Sie, welche weiteren der hundert Werkzeuge sollten Städte und Gemeinden auf jeden Fall anwenden? Schreiben Sie es in die Kommentare.

Zum Buch geht es hier. War der Beitrag interessant? Dann dem Blog auf diesen Wegen helfen.

Weiterlesen, weiter hören und sehen und dranbleiben am Bauverbot-Blog mit Newsletter, RSS-Feed (beide Seitenspalte) oder über Facebook.

Ein Gedanke zu „Den Flächenfraß beenden

  1. Ralf Greber

    In der nachträglichen Aufstockung von Gebäuden im städtischen Bereich liegt das größte Potential.
    Außerdem nachträgliche Umgestaltung von Wohnräumen zu Wintergärten, Erweiterung von Balkonen,mehr Schrebergärten im Umfeld von Hochhäusern ,um die Flucht in den Eigenheimbau zu stoppen.
    Keine neuen Gewerbegebiete,stattdessen bessere Nutzung der vorhandenen.
    Der Flächenfraß sollte durch verbindliche Bundesgesetze gestoppt werden.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.