Archiv des Autors: Stadtwandeler

Zur suburbanen Wirklichkeit

Häuschen Grafik

„In vielen Diskussionen zur Siedlungsentwicklung wird so argumentiert, als gäbe es noch ein sehr großes Zeitfenster, bevor der Klimawandel eintritt“, schreibt Wilfried Wang in einem unbarmherzig realistischen Beitrag für Marlowes: Die Debatten um „die europäische Stadt“ liefen an der Realität vorbei, schreibt er, und nennt als Beleg den Anteil an der Gesamtfläche von Metropolregionen, den die verdichtete „europäische“ Innenstadt hat – er liegt in Berlin, Rhein-Main und München grade mal bei etwa einem Prozent. In diesem dicht bewohnten städtischen Gebiet leben in Berlin und Hamburg grade mal ein Drittel der Einwohner, in Köln nur zwanzig Prozent. Wang illustriert das mit farbigen Karten zum Siedlungsbrei und erinnert an das hehre Ziel, den Flächenverbrauch von 56 auf 20 Hektar am Tag zu senken, während im wahren Leben jährlich 90.000 weitere Einfamilienhäuser neu gebaut werden.

Exkurs An dieser Stelle Weiterlesen

Der „Zehn-Punkte-Plan für flächensparendes Wohnen“ schließt eine Lücke – hier steht, welche, und warum der Plan trotzdem nicht auf diesem Bauverbot-Blog zu lesen ist

Einige Logos

Zusammenwohnen, Umbauen, Umziehen und die (soziale Wohnraum-)Vermittlung von Mietern sind einige der Instrumente für flächensparendes Wohnen aus dem Zehn-Punkte-Plan.

Vor drei Wochen veröffentlichten „Fridays for Future“ eine in ihrem Auftrag erstellte Studie des Wuppertal Instituts, wie das 1,5-Grad-Ziel für das Klima einzuhalten ist. Es handelt sich um die Suche nach den besten Lösungen für den dringend nötigen Wandel, und mithilfe von Modellrechnungen sucht die Studie Antworten für folgende Fragen: Wo (und wie) vermeiden wir am meisten Treibhausgase, bei Energie, beim Verkehr oder bei Gebäuden? Ein großer Beitrag wäre es, mehr alte Häuser umzubauen; dafür müsste man die Modernisierungsquote von ein Prozent auf vier Prozent vervierfachen und so effizienter mit Energie umgehen. Das ist wichtig, aber noch nicht alles, was wir bei Gebäuden tun können.

Es steht bereits in der Studie des Wuppertal Instituts, dass es neben der Energieeffizienz darauf ankommen wird, die bestehenden Häuser besser zu nutzen. Auch dafür gibt es Instrumente, und auch das kann dazu beitragen, das Klima zu retten: Darum erstellte nun eine Gruppe von Wissenschaftlerinnen auf meine Initiative einen „Zehn-Punkte-Plan für flächensparendes Wohnen“. Diesen Plan gibt es jetzt auf meiner Webseite zu lesen.

Aber warum auf der Webseite, warum nicht hier? Schließlich Weiterlesen

Kurze Filme zu Wohnwünschen, die Fläche sparen

Haben Sie noch Platz? Das fragt die Wohnraumberaterin in Tübingen im neuen Beratungsprogramm, mit dem Wohnwünsche erfüllt werden können und Wohnraum im Altbau geschaffen wird. Wie das geht, zeigt dieser Film:


Mehr Informationen auf dieser Webseite. Tübingen ist eine der Partnerstädte im Forschungsprojekt OptiWohn, an dem ich mich beteilige, mehr auf meiner Webseite.

Eine originelle Form, Wohnraum für diejenigen bereitszustellen, die Weiterlesen

„Bauen Bauen Bauen“ oder „Verbietet das Bauen“ – was ist eigentlich konservativ?

Auch sechs Jahre nach Erscheinen der Streitschrift „Verbietet das Bauen!“ erschreckt manche der Buchtitel und hindert dadurch daran, das Buch in seiner Neuauflage von 2020 in die Hand zu nehmen und darin zu entdecken, wieviele positive Lösungen es enthält – Beispiele für Umbauen, für besseres Bauen und für ein Zusammenrücken der Menschen, das gleichzeitig Wohnwünsche erfüllt, sich ökonomisch lohnt und alte Häuser bewahren hilft. Auch ein konservatives Programm versteckt sich also hinter dem provokanten Titel, und die Angst davor nimmt womöglich ein aktueller Vortrag: Ihren 100. Geburtstag feiert die Volkshochschule Oldenburg mit einer Vortragsreihe, und kurz vor dem zweiten Lockdown gab es tatsächlich noch eine Live-Veranstaltung (mit coronagerecht wenig Publikum). Hier der Film mit 45 Minuten Vortrag von Daniel Fuhrhop und einer Stunde Diskussion:


Gastgeber war die Volkshochschule Oldenburg. Gefilmt wurde vom Lokalsender oeins.

Gäste der Podiumsdiskussion: Luisa Ropelato von architects for future (auch bereits zu hören im Weiterlesen

Grenzen des Bauens

Buchcover

Man muss ja nicht gleich vom Verbieten sprechen, kann aber über die „Grenzen des Bauens“ nachdenken, und über die „Folgen der Massenproduktion von Stadt und die Alternativen“ – so heißt es im Titel eines Seminars an der TU Braunschweig. Es fand 2019/2020 statt am Institut für Städtebau und Entwurfsmethodik, und die Ergebnisse sind nun in einer Publikation zusammengefasst, mit Texten und mit vielen Grafiken (na klar, wir reden über Weiterlesen

Das Minimalismus-Projekt von Christof Herrmann

Buchbild

Am Anfang stand bei mir die eher politische Frage, wie man Neubau verhindern kann, und das leitete über zur ganz persönlichen Frage, wie es sich auf weniger Platz wohnen lässt – mit dem Ratgeber Einfach anders wohnen kam ich in Kontakt zu verschiedenen Medien und Akteuren, die sich mit Minimalismus beschäftigen. Christof Herrmann mit seinem Blog Einfach bewusst hat nun einen Ratgeber herausgegeben, der das Thema sehr breit angeht: Zu den „52 Wegen, minimalistischer zu leben“ gehört zum Beispiel das Nein-Sagen. Insofern ist es auch ein Lebensratgeber. Besonders kompetent kann Christof über das Fernwandern schreiben, dem sich ein weiteres der Kapitel widmet, denn er wandert selbst viel und hat bereits ein halbes Dutzend Wanderführer geschrieben, etwa zum Jakobsweg, zur Alpenüberquerung oder mehrfach zum Wandern in Franken.

Es freut mich sehr, dass es im „Minimalismus-Projekt“ auch darum geht, was man nach dem Entrümpeln mit dem gewonnenen Platz macht: Angelehnt Weiterlesen

Stichwahlen: Willkommensstadt Dortmund, Transformationsstadt Wuppertal?

Schwebebahn vor Büchern

Zwei lesenswerte Bücher von und mit Uwe Schneidewind, der nun in Wuppertal als OB-Kandidat in der Stichwahl steht.

Stichwahlen für die Oberbürgermeisterposten in NRW, und zu zwei Kandidaten habe ich eine besondere Beziehung: Andreas Hollstein, CDU-Bewerber mit Grünen-Unterstützung für die Stichwahl, kommt in meinem zweiten Buch „Willkommensstadt“ vor. Uwe Schneidewind, der im ersten Wahlgang mit schwarzgrüner Unterstützung den SPD-Amtsinhaber hinter sich ließ, lernte ich in Oldenburg kennen, als er hier noch Unipräsident war und wir grade dort ankamen, danach hatten wir vielfache Kontakte während seiner zehnjährigen Leitung des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie.

Als 2015/16 viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen, stellte das die Kommunen vor eine große Herausforderung, und da erregte es Aufsehen, als das westfälische Altena 100 Menschen mehr aufnahm, als zugewiesen wurden. Doch nicht nur das: Unter OB Andreas Hollstein wurden die Weiterlesen

Reden über „In Würde wohnen“

Der Verein „Neues Wohnen im Alter“ in Köln feierte 35. Geburtstag – wollte ihn feiern mit einem Fachtag „In Würde wohnen“, zu dem ein Vortrag von mir geplant war. Stattdessen hat Kathleen Battke mit mir nun ein Gespräch als Video aufgezeichnet, in dem es um Wohnen & Wohnwünsche geht, um „Einfach anders wohnen“ und OptiWohn:

Das Video gibt es unter diesem Link bei Vimeo.
Den Film präsentiert der Verein „Neues Wohnen im Alter (NWiA) in Köln auf seiner Webseite.

screenshot video NWiA

Screenshot des Videos vom Verein Neues Wohnen im Alter.

Weitere Filme gibt es auf diesem Blog bei der Kategorie Sehen.

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Redeüberwege: zu Gast im Podcast über den Berufsweg vom Architekturverleger (Stadtwandel Verlag) zum Autor (Verbietet das Bauen, Einfach anders wohnen) und Wohnforscher (OptiWohn, Uni Oldenburg)

Der letzte Entwurf im Architekturstudium (links), das erste Buch (rechts mit Christoph Hirsch vom oekom verlag auf der Frankfurter Buchmesse 2015, Foto: Nina Heinrich).

Wie ergeben sich Berufswege, was ist geplant, was Zufall? Antworten aus einem bunten Lebensweg als Gast im Podcast redeüberwege – es geht um das Studium von Architektur und BWL, über die Entscheidung, den Stadtwandel Verlag zu gründen und ihn fünfzehn Jahre später zu verkaufen, über den Weg zum Sachbuchautor und Vortragenden und schließlich als „Wohnforscher“ an die Carl von Ossietzky Universität als wissenschaftlicher Mitarbeiter im OptiWohn-Projekt.

Auf spotify hören.

Podcast redeüberwege mit Webseite und auf Instagram (luisemarieredet).
Und ja: den Podcast hat meine Tochter Luise Fuhrhop gestartet, ihr zweiter nach Aupairadise zum Au-Pair-Leben in den USA.

Mehr zu meiner Vergangenheit als Architekturverleger hier auf meiner Webseite, und dort gibt es auch Seiten zu meinen Texten und zum OptiWohn-Projekt.

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1000 mal gesehen: Der Online-Vortrag „100 Werkzeuge für Wohnraum in Altbauten“ auf Youtube

Youtube Screenshot

Unten links steht die 1.000. Das Bild zeigt die Investification: Investments vertreiben Menschen aus Wohnungen – erklärt wird es im 17minütigen Youtube-Video.

Der Coronafrühling ist vorbei, in dem sechzehn Veranstaltungen & Vorträge von mir ausgefallen sind – umso schöner, dass mein Online-Vortrag jetzt 1.000 mal auf Youtube gesehen wurde: 100 Werkzeuge für Wohnraum in Altbauten kann man hier auf Youtube ansehen.
Vielen Dank an alle!

Ein „Eintrittsgeld“ für den Online-Vortrag kann man hier entrichten. Auch dafür Danke! Bleiben Sie dran am Bauverbot-Blog mit Newsletter (siehe Seitenspalte), RSS-Feed oder über Facebook.

Einwohnerzahl stagniert, doch über 100 Hektar sollen bebaut werden: eine Nachricht aus Siegen

Bild Wellersberg

Der durch Baupläne gefährdete Siegener Wellersberg . Foto: c Joachim Hain /Aktionsbündnis Naturraum Wellersberg.

Als Autor des Buches „Verbietet das Bauen!“ schreiben mir öfter Bürgerinitiativen und berichten von Missständen in ihrer Stadt. Neulich war es die Reesekaserne in Augsburg, wo solide Bauten abgerissen werden (vielleicht weil sie aus den 1930er Jahren stammen und nicht so viele Fürsprecher finden? Mehr dazu auf dieser Webseite). Nun kam eine Mail aus Siegen, und ich muss zugeben, dass solche Anschreiben mich hin- und herreißen: Eigentlich steht derzeit meine Forschung zum „unsichtbaren Wohnraum“ im Vordergrund, weshalb ich mich am OptiWohn-Projekt beteilige, und das braucht Zeit. Aber wenn ich dann doch anfange, mir die örtlichen Gegebenheiten anzusehen, ergeben sich interessant-erschütternde Einblicke in die Details der Bauwut hierzulande. So auch in Siegen.

Menschen gehen, Beton kommt
Am Wellersberg in Siegen soll gebaut werden, ein Aktionsbündnis wehrt sich. Daraufhin habe ich mir das „Wohnbaulandkonzept 2018“ angeschaut – online verfügbar. Gleich auf der ersten Seite wird zugegeben, dass Siegens Einwohnerzahl stagniert, was aber bedeute, „dass bis 2032 ein Wohnbauflächenbedarf von rund 106 Hektar besteht“. Selbst diese schizophrene Aussage verschweigt: Weiterlesen

Mehr Flächenverbrauch oder Wohnraum anders verteilen?

Quadratereihe

Zwei aktuelle Beiträge mit mir und von mir – im ZDF geht es in „planet e“ um Bauen auf der grünen Wiese in Hamburg Oberbillwerder im Vergleich zu Nachverdichtung innerorts in der Aaseestadt Münster, diesen Beitrag kann man hier in der Mediathek ansehen.

Im Mannheimer Morgen habe ich eine Seite Debattenbeitrag beigesteuert, „Warum müssen wir nach der Coronakrise das Bauen verbieten?“ ist – nach Anmeldung – hier zu lesen.

Die Argumente gibt es in 17 Minuten im Online-Vortrag oder in meinen Büchern. Aktuelle Nachrichten: Dranbleiben am Blog über Facebook, über RSS-Feed oder Newsletter (Seitenspalte).

Zehn Millionen Quadratmeter Wohnraumreserve

Quadrate

So viel Fläche könnte frei werden, wenn Senioren in kleinere Wohnungen umziehen: Diese Aussage stammt nicht von einem Neubaugegner, sondern von Michael Ries, Vorstand des Immobilienentwicklers Pantera. Nicht ohne Eigeninteresse lässt er sich so zitieren, denn sein Unternehmen entwickelt Apartments, bei denen man verschiedene Hilfen dazukaufen kann, sei es Putzen, Wäschewaschen oder Einkaufen. Dennoch beeindruckt die Zahl von zehn Millionen Quadratmetern.
Deren Grundlage liefert ein Vergleich der durchschnittlichen Wohnfläche von Senioren, die im Eigentum leben, mit denjenigen, die zur Miete wohnen. Das ist freilich ein theoretischer Wert, und doch verrät er die enorme Größe des Potenzials unserer Altbauten. Den Anlass für das Zitat der Firma Pantera bietet deren Pressemitteilung zu einer Umfrage, an der 2.095 Personen teilnehmen. Darin sagen 53 Prozent der Befragten, sie seien bereit, Weiterlesen

Bauüberfluss 2019 um ein Viertel gestiegen – rechnerisch 219.500 Wohnungen zu viel gebaut

 

Grafik Bauüberfluss

Der Bauüberfluss ist 2019 um ein Viertel gestiegen: rechnerisch wurden 219.500 Wohnungen zu viel gebaut (nach 173.900 im Vorjahr). Dabei überlagern sich zwei Entwicklungen – zum einen stieg die Einwohnerzahl Deutschlands mit 147.000 so wenig wie seit 2012 nicht mehr. Bei einer durchschnittlichen Haushaltsgröße von 2,0 wären daher nur 73.500 zusätzliche Wohnungen erforderlich gewesen. Fertiggestellt wurden 2019 jedoch 293.000 Wohnungen (davon 260.791 im Neubau, der Rest durch Umbau). So ergibt sich ein Bauüberfluss von 219.500 Wohnungen, die rechnerisch zu viel gebaut wurden.

Genau genommen handelt es sich um den Bauüberfluss erster  Stufe, und in einer Weiterlesen

Städte im Ausverkauf: Das Beispiel Oldenburg

Beim Lesen von Zeitschriften für Architektur und Stadtplanung oder von manchen Feuilletons könnte der Eindruck entstehen, die Zeit von Ausverkauf und Privatisierung unserer Städte sei endgültig vorbei. Umso schmerzlicher, wenn ich in Oldenburg immer wieder das Gegenteil erleben muss, wie in diesem einminütigen Film skizziert:


Das Land Niedersachsen äußert sich zum Verkauf des Finanzamt-Geländes hier online.
Mehr zu Ausverkauf und Privatisierung im Bauverbot-Buch.

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Den Flächenfraß beenden

Fläche Fläche Fläche

Knapp sechzig Hektar am Tag beträgt der Flächenverbrauch in Deutschland, für Wohnsiedlungen, Gewerbegebiete oder zum Beispiel hier den BER Flughafen. Foto: Daniel Fuhrhop.

Mancher hält den Buchtitel »Verbietet das Bauen!“ lediglich für provozierende Polemik, und natürlich soll er auch provozieren, aber nicht nur: Im geänderten vierten Kapitel »Bauverbot konkret« können Sie nachlesen, wie wir weniger Äcker und Wiesen in Straßen und Bauland verwandeln und den sogenannten Flächenverbrauch auf Null senken können – das wäre zwar kein Bauverbot, würde aber das Bauen erheblich einschränken. Der folgende Auszug aus dem neuen Eingangskapitel beschreibt, wie das rechtsverbindlich möglich wäre – und endet mit der Frage, welche Werkzeuge wir Gemeinden in die Hand legen sollten. Antworten Sie mit!

In Bayern haben Naturschützer 2018 fast erreicht, den Flächenfraß zu begrenzen: Zwar hat der Bayrische Verfassungsgerichtshof das Volksbegehren »Betonflut eindämmen« vorerst gestoppt, aber nicht grundsätzlich abgelehnt. Man müsste nur genauer zeigen, wie die Kommunen das Ziel erreichen sollen. Dafür haben die Grünen 2019 einen neuen Entwurf vorgelegt. Sollte ein zweites Volksbegehren Erfolg haben, müsste das Land Bayern seinen Flächenverbrauch von derzeit über elf Hektar am Tag auf fünf Hektar mehr als halbieren. Das entspräche dem bayrischen Anteil am bundesweiten Flächenziel von dreißig Hektar.

Es wäre sogar möglich, ein Ende des Flächenverbrauchs festzuschreiben: Weiterlesen

Vom Maklermagazin zum philosophischen Wirtschaftsmagazin: Bauverbot & Bauscham in der Presse Mai 2020

einige Cover

Nach dem Online-Vortrag „100 Werkzeuge für Wohnraum in Altbauten“ und der erweiterten Neuauflage von „Verbietet das Bauen!“ gibt es einige Presseberichte: Interviews mit dem freien Radio Rabotz aus Leipzig, mit der BUNDzeit Berlin und dem agorablog des philosophischen Wirtschaftsmagazins agora 42, sowie ein Streitgespräch im Magazin des Maklerhauses Grossmann & Berger aus Hamburg. Alle Links auf der Presse-Seite der Webseite. Weitere Meldungen zu Presse sowie die nächsten eigenen Beiträge, Filme, Texte gibt es per Newsletter oder RSS-Feed (rechte Seitenspalte) oder über Facebook.

Bauwut und Bruchbuden in Bayern

Arnulfpark München

So wie hier im Arnulfpark München sieht Neubau heutzutage oft aus. Alle Fotos: Daniel Fuhrhop.

Ein Text aus Anlass der Buchvorstellung „Verbietet das Bauen!“ am 12.01. in München (siehe unten).

Arnulfpark München: Wohnhäuser links, Bürohäuser rechts, dazwischen ein Streifen Grün – eine lebendige Stadt sieht anders aus. Münchner Mieten von zwanzig Euro und Kaufpreise von sechstausend Euro je Quadratmeter strafen all jene Lügen, die behaupten, Neubau sei sozial. Und wie wenig ökologisch Bauen ist, zeigen nicht nur die zugebauten ehemaligen Bahnflächen beim Arnulfpark und am Hirschgarten, sondern auch die 85 Hektar Baugebiet in München-Freiham exakt am Stadtrand. Doch trotz dieser abschreckenden Beispiele: Käme Bayern wirklich ohne Neubau aus angesichts des Zustroms neuer Bewohner und Firmen?

Aber nicht ganz Bayern boomt, sondern vor allem die Region München und einige Großstädte wie Regensburg, Ingolstadt und Nürnberg; und sogar in diesen Boomstädten ist noch Platz: Weiterlesen

Live like Kings in Bremerhaven

Gunnar vor dem Haus

Gunnar, 69,5 qm, 1 Person. Foto: EPICTURES Photography – Tim Müller-Zitzke.

“Viele Menschen kennen nicht den Charme vermeintlich unattraktiver Städte und Bezirke. Wer einmal in Bremerhaven den frischen Wind der Nordsee spürt, der versteht kaum, dass hier jahrelang viele Leute wegzogen.“ So steht es auf Seite 140 von Verbietet das Bauen!, und auch Kapitel 6 handelt von einem Viertel in Bremerhaven, vom vorbildlichen Stadtumbau in Wulsdorf; doch hier soll es nun um die großzügigen Häuser der Gründerzeit gehen, wie sie vor allem der Stadtteil Lehe bietet. Was einen dort erwartet, dürfte Studierenden aus teuren Städten wie Freiburg und München Tränen in die Augen treiben – dazu schreibt der Fotograf Tim Müller-Zitzke, der selbst zum Studium in die Stadt kam: „Ich stellte schnell fest, dass Menschen in Bremerhaven die Möglichkeit geboten wird, für wenig Geld unglaublich schön zu wohnen. Ein Glücksgriff. Kapitänsvillen, ehemalige Hotelsuiten, helle Wohnungen mit Balkon zur See: Lebensräume, die in anderen Städten ausschließlich für elitäre Kreise zugänglich sind. Bei absolut zentraler Lage.“

Zehn Fotos aus dem Projekt „Live like Kings“ sollen einen Anreiz dazu geben, Weiterlesen

Freiburg: Veranstaltung zum Stadtumbau

Screen Webseite Wasserpark Europa Park Rust

Freude über 120 Hektar Erweiterung auf der Webseite www.wasserpark-rust.de/ für den Ableger des Europa Parks Rust nahe bei Freiburg.

Passend zum UN-Tag des Bodens gibt es in Freiburg am Sonnabend, den 5.12. mehrere Vorträge, darunter einen zu „Verbietet das Bauen!“ – und darum vorab ein Blick auf das Bauen in der Region. Sie gehört zu jenen, wo auf das Buch oft die Reaktion kommt, man müsse ja durchaus kritisch sein gegenüber dem vielen Neubau, aber hier, nein hier gehe es nun wirklich nicht anders, es kämen so viele Menschen, dass man unbedingt neu bauen müsse. Was dann schon weniger überzeugt, sind die Beispiele großflächiger Versiegelung rund um Freiburg herum: Da liefern sich zwei Freizeitparks einen Wettbewerb, wer schneller größer wird. Der Europa-Park Rust erweitert um einen Wasserpark und vermeldet stolz, dass Gebiet umfasse 120 Hektar (siehe Abbildung oben von dieser Quelle). Gleichzeitig aber wird das Badeparadies Titisee für Weiterlesen

Krach im bergischen Center-Dreieck

Bild FOC Planung Solingen

Drei Scheine, drei Städte: PR-Bild des geplanten Factory Outlet-Centers in Solingen, im bergischen Dreieck.

Es grenzt an Ironie: Die drei Städte des bergischen Dreiecks waren selbst in diesem Jahr vereint am gemeinsamen Stand auf der Immobilienmesse Expo Real. Es gab auch keine Schaukämpfe, um den Streit der Centerplaner symbolisch auszutragen, von dem an dieser Stelle im Beitrag über das bergische Center-Dreieck die Rede war – Remscheid will schon länger ein großes Factory Outlet Center (FOC) im Stadtteil Lennep bauen lassen, Wuppertal hält dagegen mit dem Ausbau zweier großer Gebäude zu einem FOC, der ehemaligen Bundesbahndirektion und der am Bahnhof gelegenen Post. Während es schien, als unterhielten sich die Vertreter beider Städte höflich frostig am Messestand, täuschte da der Eindruck, dass manche Personen beim Dritten im Bunde ein klammheimliches Grinsen nicht unterdrücken konnten? In der Ecke von Solingen nämlich Weiterlesen

„Verbietet das Bauen!“ in Kassel

Screen Webseite BI Pro Langes Feld

Von der Webseite der BI „Pro Langes Feld“ (Quelle: http://langesfeld.bplaced.de/fotos.php).

Vor der Buchvorstellung am Dienstag, den 3. November ein Blick nach Kassel – erstmal oben auf die einst grünen und gelben Wiesen im „Langen Feld“, wo trotz jahrelangen Widerstands einer Bürgerinitiative jetzt ein Gewerbegebiet auf 76 Hektar entsteht, was sich die Kommune siebzig Millionen Euro kosten lässt. Und dann ein Blick nach Kassel-Calden, das für zwei Themen steht, die das Buch Verbietet das Bauen! berührt: Zum einen dient darin der Flughafen als abschreckendes Beispiel eines Prestigeprojekts mit überzogenen Erwartungen und überzogenen Kosten. Zum anderen aber beherbergt ein Teil der Flächen jetzt Flüchtlinge, Weiterlesen

Bauwut in Saarbrücken

Hochschule für Musik Saar

Zurück von einer Fahrt zum Saarländischen Rundfunk und einem Gespräch über „Verbietet das Bauen!“ in der Reihe „Fragen an den Autor“ auf SR2, hier zu hören. Ergänzend hier einige Bilder aus Saarbrücken – oben die zu Beginn des Gespräches erwähnte Hochschule für Musik mit ihrem eleganten Bauteil aus den 1970er Jahren. Im 1980er-Jahre Bauteil (oben nicht zu sehen) blättert der Lack, aber gegenüber soll nun für 39 statt 9 Millionen Euro (wie ursprünglich geplant) das Saarlandmuseum erweitert werden. Es handelt sich um eine der berüchtigtesten Bauruinen bundesweit, seit einigen Jahren ruhen die Bauarbeiten, bald soll es wieder losgehen. Derzeit aber sieht es nach Rohbau aus: Weiterlesen

Bauverbot-Presseschau von FAZ bis Neues Deutschland

Presseartikel im Überblick

Wie oft mag es vorkommen, dass bei einem Buch sowohl die Frankfurter Allgemeine Zeitung als auch neues Deutschland lobende Worte finden? Beginnen wir einen Streifzug durch neue Besprechungen (als Fortsetzung der ersten Presseschau) mit der FAZ: „Gute Argumente“ sieht Arnold Bartetzky im Bauverbot-Buch, und fasst in rasanter Dichte viele Fakten und Beispiele gegen Neubau zusammen. Weniger überzeugen kann ihn aber, dass es auch gegen Neubau auf Brachen in wachsenden Städten geht. Bartetzky lobt den „leichtfüßigen Stil“ und den „Charme und Humor“, mit dem das Buch für die Ideen zur Neubauvermeidung wirbt. Diese jedoch, so schreibt er bedauernd, werden sich wohl kaum durchsetzen, denn Weiterlesen

Gemeinschaftliches im Wohnprojekt „Sargfabrik“

Eingang Wohnprojekt Sargfabrik

Sofort nach dem Eintritt in das Wohnprojekt Sargfabrik sieht man, wie im Innenhof die privaten Bereiche des Erdgeschosses in die öffentlichen Wege übergehen.

Aus dem Gepäck meiner Frühjahrs-Fahrt nach Wien hier einige Fotos vom Wohnprojekt „Sargfabrik“, das auf dem Gelände der ehemals größten habsburgischen Sargfabrik entstand. Wenn damit auf dem Blog ein Neubau vorgestellt wird, den auch das Buch „Verbietet das Bauen!“ erwähnt, dann wegen der vorbildlichen Gemeinschaftsflächen: Wenn wir lernen, anders miteinander zu wohnen und mehr Räume zu teilen, dann verbrauchen wir weniger Fläche pro Person – so mindern wir mit dem Bedarf an Wohnfläche letztlich auch den Neubau. Was genau hierbei geteilt wird, davon geben die zehn Bilder einen Eindruck. Eigentlich handelt es sich bei der Sargfabrik und dem Nebenprojekt Miss Sargfabrik nicht nur um ein Weiterlesen

Wirtschaftsförderung 4.0

Umgestaltetes Logo "don`t visit berlin"

Dieses satirisch ins Gegenteil verkehrte Logo des Berliner Stadtmarketing illustriert eine Idee des Buches „Verbietet das Bauen!“: Für überfüllte Metropolen nicht mehr werben, sondern abschrecken. Auf welche ganz andere Art Stadtmarketing sinnvoller eingesetzt werden könnte, schildert der Text.

Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing verfolgen bisher das Ziel, Wachstum um jeden Preis zu schaffen: Mehr Unternehmen in die Städte holen, mehr Touristen anlocken. Das passt allerdings nicht mehr in eine Zeit, in der die Metropolen unter der Last des Erfolgs leiden, unter explodierenden Mieten und Kaufpreisen sowie unter Touristenströmen. Darum schlägt das Buch Verbietet das Bauen! in Kapitel 11 vor, die Förder-Institutionen in ihr Gegenteil zu verkehren und zu einem „Anti-Stadtmarketing“ umzuwandeln. Die Betonung der hohen Preise und Preissteigerungen soll Provinzler vom Zuzug abschrecken. Darüber hinaus sollten die Städte daran arbeiten, die überfüllten Stadtviertel unattraktiv zu machen („Prenzlauer Berg wird uncool“). Freilich steht gleich darauf eine Einschränkung zu lesen, die die Forderungen auf eine realistischere zurückschraubt: „Zugegeben, so eine Kampagne scheint derzeit noch fern. Doch ein erster Schritt wäre es, wenn die Boomregionen wenigstens nicht mehr in Werbung investierten.“ (Seite 138). Bei Buchvorstellungen füge ich die Alternative hinzu, dass die Gelder des Berliner Stadtmarketings in die verödende Uckermark fließen könnten, oder das Geld der Münchner Wirtschaftsförderung in schrumpfende Landstriche im bayrischen Wald. Nun aber gibt es mit einer Idee des Wissenschaftlers Michael Kopatz einen ganz anderen Vorschlag, der die rein auf Wachstum gerichtete Förderpolitik der Städte innovativ verändern würde: er nennt es Wirtschaftsförderung 4.0. Damit bezeichnet Kopatz die Förderung Weiterlesen

Erste Presseschau

Presseartikel Standard IZ

Das rosig-lachsfarbene Zeitungspapier im Hintergrund verweist auf das Interview im österreichischen „Standard“, während die „Immobilien Zeitung“ hier über die Abschaffung von Duisburg berichtete.

Vier Wochen nach Erscheinen des Buches Verbietet das Bauen! warnt Volker Thies in der Immobilien Zeitung, der Autor scheine „sowohl der Bauwirtschaft als auch einem wesentlichen Teil der Immobilien-Vermarkter das Existenzrecht abzusprechen.“ Hoppla, so war es gar nicht gemeint, denn meines Erachtens wäre es sogar im Interesse der langfristig denkenden Branchenvertreter, sich gegen Neubau zu stellen, zumindest gegen kurzfristige Spekulation. Doch immerhin befindet die Immobilien Zeitung, dass zwar „auf den eigenen Profit ausgerichtete Unternehmen keineswegs den (…) Argumenten Fuhrhops folgen“ müssten, doch es biete zum einen „interessante Anstöße, um das Branchenhandeln einmal grundsätzlich infrage zu stellen“, und zum anderen finde sich „trotz aller Radikalität“ unter den 50 Forderungen (bzw. Werkzeugen) am Schluss des Buches vielleicht doch „der eine oder andere Punkt, an dem man zumindest versuchsweise mal ansetzen kann.“ Ganz anders als dieser Kommentar der Immobilien-Fachpresse kann das Architekturmagazin db in seinem Spezialteil „Metamorphose“ erstmal Weiterlesen

Wahrheit beginnt zu zweit: Turit Fröbe

Sie ist studierte Architekturhistorikerin, Archäologin und Urbanistin, arbeitet als „Stadtdenkerin“ und ändert unseren Blick auf Häuser und Städte – mit Ihrem Konzept „Kunst der Bausünde“ und mit der Stadtdenkerei, etwa am Beispiel Paderborn. Beide Varianten des Umdenkens und Umdeutens werden auch als Werkzeug im Buch „Verbietet das Bauen!“ empfohlen – über die Gründe dafür und den Weg zu diesen Ideen spricht Daniel Fuhrhop mit Turit Fröbe.


Als Download (Klick mit rechter Maustaste, je nach Browser „(Ziel/Link) Speichern unter“):
WB2 Fröbe

Das im Gespräch erwähnte Buch „Kunst der Bausünde“ wurde bereits hier besprochen, das Buch zum Paderborn-Projekt findet man zum Beispiel direkt beim Verlag.

Wem das Zuhören gefallen hat, kann dies hier würdigen. Danke!

Zum Beispiel Oldenburg

Bahnhof Oldenburg

Im Vordergrund drohen Neubauten die Freifläche am Oldenburger Bahnhof zu ersetzen, doch das dreischiffige Hallendach in Bildmitte wird man ohnehin bald nicht mehr sehen – es soll abgerissen werden.

Das Leben in einer kleinen Großstadt zeigt wie in einem Brennglas, was in einer Metropole womöglich außer Acht gerät: Beispiele für Abriss und Leerstand, Bauwut und Zersiedelung. Aus Anlass der Buchvorstellung am 16.9. in Oldenburg hier ein kurzer Blick auf manche Themen der Stadt, zum Beispiel vom gestrigen „Tag des Denkmals“. Bei diesem konnten die Oldenburger Abschied nehmen von der historischen Cäcilienbrücke, einer denkmalgeschützten Hubbrücke von 1927, die abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden soll. Tagesaktuell auch das obige Bild mit dem womöglich einzigen Hallendach eines niedersächsischen Bahnhofes, in den die Bahn für den 20. September zur Feier des hundertsten Geburtstages einlädt – erneut Gelegenheit zum Abschied nehmen, denn Weiterlesen

Duisburg in Düsseldorf-Nord umbenannt

Neuname

Da schon allein der Name „Duisburg“ viele dazu bringt, die Stadt zu ignorieren, wird er durch das für viele wohlklingendere „Düsseldorf“ ersetzt.

Um die Bauwut in Düsseldorf zu mindern und den Leerstand in Duisburg zu bekämpfen, hat Daniel Fuhrhop am 31. August 2015 Duisburg (südlich des Hauptbahnhofes) symbolisch in Düsseldorf-Nord umbenannt. Gemeinsam mit lokalen Partnern wie dem Architekten Harald Jochums überklebte er ein Ortsschild mit dem neuen Namen; sie stießen mit Sekt (von der Düsseldorfer) und Selters (von der ex-Duisburger Seite) auf die Umbenennung an. Die Aktion nimmt eine Idee des Buches Verbietet das Bauen! wörtlich, das als eines von 50 „Werkzeugen“ zur Vermeidung von Neubau vorschlägt, Orte umzubenennen, wenn ihr Image zu schlecht wird – denn dann hindert bereits der Name Menschen daran , dorthin zu ziehen und verursacht dadurch Leerstand , während anderswo Städte übervoll werden. So ist es auch bei den rheinischen Nachbarn: „Trotz bester Verbindungen würden viele Düsseldorfer nie nach Duisburg ziehen“, heißt es auf Seite 143 des Buches, und zitiert den Redakteur Thorsten Karl, der in der Immobilien Zeitung von einem „eisernen Vorhang in NRW“ schrieb, von einer „unsichtbaren Grenze, Weiterlesen