Krach im bergischen Center-Dreieck

Bild FOC Planung Solingen

Drei Scheine, drei Städte: PR-Bild des geplanten Factory Outlet-Centers in Solingen, im bergischen Dreieck.

Es grenzt an Ironie: Die drei Städte des bergischen Dreiecks waren selbst in diesem Jahr vereint am gemeinsamen Stand auf der Immobilienmesse Expo Real. Es gab auch keine Schaukämpfe, um den Streit der Centerplaner symbolisch auszutragen, von dem an dieser Stelle im Beitrag über das bergische Center-Dreieck die Rede war – Remscheid will schon länger ein großes Factory Outlet Center (FOC) im Stadtteil Lennep bauen lassen, Wuppertal hält dagegen mit dem Ausbau zweier großer Gebäude zu einem FOC, der ehemaligen Bundesbahndirektion und der am Bahnhof gelegenen Post. Während es schien, als unterhielten sich die Vertreter beider Städte höflich frostig am Messestand, täuschte da der Eindruck, dass manche Personen beim Dritten im Bunde ein klammheimliches Grinsen nicht unterdrücken konnten? In der Ecke von Solingen nämlich präsentierten Politiker und Investorenvertreter die Pläne eines Factory Outlet Centers, das durch einen Umbau des bereits vorhandenen Shopping-Centers Clemens Galerien entstehen soll, und darum bereits im Herbst 2016 eröffnen könnte. Die Solinger als schnelle Igel vor den beiden Hasen am Ziel, das wäre ein passendes Bild, wenn nicht alle drei Planungen eher zu Raubtieren passten: Ihre Opfer sind die kleinen Einzelhändler der vorhandenen Innenstädte, die zwischen all den neuen Konkurrenten zerrieben werden.

Ringklage

Nun könnte man einwerfen, dass die Clemens Galerien nunmal schon da stehen, aber viele ihrer Läden seit Jahren leer sind, denn das Center hat nie richtig funktioniert; ist es also zu begrüßen, dass die leeren Räume neu genutzt werden? Im Prinzip ja, aber bitte nicht durch Billigmode. Besser wäre es gewesen, die Erdgeschosse weiter für den Handel zu nutzen, aber die Obergeschosse umzunutzen, zum Beispiel zu Wohnungen.
Derweil versucht Wuppertal, Fakten zu schaffen, und die Genehmigung für den ersten Bauabschnitt des FOC am Bahnhof liegt vor. Das aber will Remscheid nicht hinnehmen und klagt gegen Wuppertal. Da Solingen aber nun auch ein Factory Outlet Center plant, schlägt der Duisburger Architekt Harald Jochums eine juristische Neuheit vor: eine Ringklage. „Aus Kostengründen“, so schreibt er, böte sich folgendes Verfahren an – „Wuppertal klagt nunmehr gegen Solingen und Solingen sodann gegen Remscheid, die ja schon gegen… (wir berichteten). Da schließt sich dann der Kreis.“
A propos Duisburg, pardon, Düsseldorf-Nord, denn gemeinsam mit Harald Jochums schritt ich zur Not-Umbenennung: Vielleicht bleibt hier zumindest dem Norden der Stadt das seit langem drohende Factory Outlet Center erspart. Die Projektgesellschaft steht nun nämlich ohne Geschäftsführer da. Traurigerweise ist die Zinkhüttensiedlung des Architekten Max Taut bereits weitgehend „entwohnt“ worden, das heißt man drängte die meisten Bewohner raus oder lockte sie zum Umzug. Wenn nun das FOC doch nicht kommt, könnten sie wieder genutzt werden. Und siehe da, der Vorschlag ist gemacht – Flüchtlingen könnten in die Wohnungen ziehen, heißt es nun.

Ohne Center

Center vor der und in der Stadt, kein Wunder, dass bei dieser geballten Konkurrenz viele Läden leerstehen. Wie lassen sie sich wieder nutzen? Der von mir sehr geschätzte Walter Brune wartet mit einem verwunderlichen Vorschlag auf: Ein Factory Outlet Center solle die leeren Läden am Rande der Duisburger Innenstadt belegen, sagt er. Freilich sollten die leerstehenden Räume wieder belebt werden, aber warum durch Billigmode? Meines Erachtens ließe sich das auch mit klassischen Läden schaffen – eine Stadt ohne Center ist möglich.

Der vorherige Beitrag zum bergischen Centerdreieck steht hier, zuvor gab es  über die geplante ECE-Center-Erweiterung in Wuppertal einen Film, und mehr Beiträge zu Shopping-Centern hier im Überblick. Bleiben Sie dran und folgen über Facebook, mit RSS-Feed oder klassischem Newsletter (siehe rechte Seitenspalte).
Shopping-Centern und Factory Outlet Centern widmet sich Kapitel 12 von Verbietet das Bauen!
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2 Gedanken zu „Krach im bergischen Center-Dreieck

  1. Bea

    shop ‚til you drop?
    Wie weit darf die Ökonomisierung der Gesellschaft und unserer Mitwelt noch gehen?
    Weitsichtige Gesamt-Stadtentwicklung wird immer mehr durch investorengesteiuerte und projektbezogene Einzelplanungen ersetzt. Auch im Bergischen Stadtedreieck darf mensch fragen:
    Orientiert sich Planung noch am tatsächlichen Bedarf‘? Wer hat eigentlich den Nutzen daraus?

    Völlig paradox geht es derzeit in eine weitere Runde auch in W-Nord:
    IKEA bestimmt alternativlos den Wunschstandort – unmittelbar an der Stadt-Autobahn. Die übergeordnete Behörde zieht aber eben wegen dem Verkehrsbringer dort bei Rückstau auf die Autobahn ganz oder zeitweise Sperrung der Ausfahrten W-Oberbarmen in Betracht! Auch benennt sie erhebliche Bedenken nicht nur zur Leistungsfähigkeit sondern auch zum für nicht motorisierte Verkehrsteilnehmer* dort überhaupt noch verbleibenden – sicheren – öffentlichen Raum!
    Trotz sehr kurzer Rückstaustrecke und anstatt noch einmal nachzurechnen und zu prüfen, legt IKEA eilig los und verdrängt den seit vier Jahrzehnten dort ansässigen guten Nachbarn, die Ausstellung Eigenheim und Garten nebst (Bürger)parkähnlichem Gelände. Mit der Ausstellung ging das für Mensch und Mitwelt gefühlte Herz von W-Nord. Doch damit nicht genug! Rasch wurden nun auch noch Altwald, über 150 Jahre alte Einzelbäume, historische Gewässer und Wegeführung unwiederbringlich zerstört ;-( Lebenswerte Zukunft stelle ich mir völlig anders vor – mit Aufenthaltsqualität, Tradition und sensibler Balance von Wohnen, Arbeiten und Mobilität – auch in ohnehin schon hoch belasteten Stadträumen. 😉

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  2. Ingo

    Bei der Geschichte drohen nicht nur die oben beschriebenen Klagen der Städte untereinander.
    Die Nummer wird noch größer: Sehr klagebereit sind auch die Städte, die sich im REHK (Regionales Einzelhandelskonzept Östliches Ruhrgebiet und angrenzende Bereiche)
    Link -> http://www.hamm.de/rehk/rehk.html
    zusammengeschlossen haben. Eine interkommunale Absprache dazu gibt es bereits, eine entsprechende (negative) Stellungnahme müßte zumindest Wuppertal bereits zugegangen sein. Und dann hat das „Center-Dreieck“ so Einzelhandels-Schwergewichte wie Bochum und Dortmund gegen sich.

    Bild: http://www.hamm.de/rehk/forum/IMAGES/Gemeinden.jpg

    Da wünsche ich viel Vergnügen vor Gericht!

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