Ausstellung zum Einfamilienhaus: 4 Wände

Hausinstallation Cloppenburg

Fragen zum Einfamilienhaus säumen den Weg vom Ausstellungshaus ins benachbarte Stadtviertel in Cloppenburg.

Die 280.000 Besucher jährlich im Museumsdorf Cloppenburg erwarten wohl meist Bauernhäuser und Fachwerkhäuser, oder auch als Besonderheit eine kleine Kirche – nicht jedoch ein Einfamilienhaus der letzten Jahrzehnte. Und doch hat das Museumsdorf seine Bestände in jüngster Zeit modernisiert, sie kauften ein Fertighaus und neulich eine in den 70er Jahren berühmt gewordene Discothek. Nun hat sich das Museumsdorf gründlich mit dem Einfamilienhaus in Deutschland seit 1950 beschäftigt, in einem mehrjährigen Forschungsprojekt gemeinsam mit wissenschaftlichen Partnern und jetzt in der Ausstellung „4 Wände. Von Familien, ihren Häusern und den Dingen Drumherum“ (läuft bis 31. Januar 2019).

Mit das Beste an der Ausstellung zum Einfamilienhaus: Sie findet genau dort statt, im benachbarten Stadtviertel und seinen Wohnhäusern. Ein Rundgang führt vom Museumsdorf aus dorthin, entlang einigen Installationen und Informationen, und zeigt Häuser aus verschiedenen Jahrzehnten, vom schlichten Siedlerhaus der Nachkriegszeit über die 60er und 70er bis zu Neubauten. Das große Finale dann im Haus Elfert, denn es ist den Ausstellungsleuten tatsächlich gelungen, ein Einfamilienhaus zum Teil der Ausstellung zu machen. Die Zeit scheint stillzustehen darin, denn Möbel und Stil sind quasi unverändert seit Jahrzehnten.

Haus

Dieses Haus ist ein Ausstellungsobjekt: Man kann hineingehen und trifft dort alles, wie es vor Jahrzehnten eingerichtet wurde.

Im Haus Elfert informieren Fotos und Tafeln über das Stadtviertel und seine Geschichte, von den Bauabschnitten bis zu den Nachbarschaftsfesten.

Politischer wird es in der Ausstellung im Museumsdorf Cloppenburg: Dort geht es im Erdgeschoss um Flächenverbrauch und um Kritik am Einfamilienhaus. Spielerisch behandelt das Obergeschoss das Thema, und allein diese Spiele lohnen den Ausflug ins Museumsdorf, denn es sind Mitmachspiele für die Besucherinnen. So lässt sich testen, ob der Haussegen schief hängt – eine Spielplattform hängt von der Decke und man stapelt seine Aktivitäten darauf, die privaten (Sport, Spaß, Karriere) und die familiären (gemeinsam etwas unternehmen, Einkaufen). Wer nur an sich denkt, bringt den Haussegen aus dem Gleichgewicht, aber ebenso schlecht geht es, wenn man nur an die Familie denkt und nicht an sich.

Das bringt ins Nachdenken, genauso wie die anderen Spiele, etwa eine Pro-Kontra-Debatte zum Einfamilienhaus mit einer wilden Mischung aus politischen und persönlichen Argumenten.

rotes Hausmodell

Symbolisierte Einfamilienhäuser als Teil des Ausstellungsweges, und hier und da ein Gartenzwerg.

Nach dem Muster von „Schiffeversenken“ funktioniert ein Entrümpelungsspiel, in dem man die überflüssigen Dinge des Spielpartners sucht.

Den Begriff „Entrümpelungsspiel“ kennen die aufmerksamen Leserinnen und Leser dieses Blogs bereits aus dem Crowdfunding für „Einfach anders wohnen“, und auch im Buch selbst gibt es in den Randspalten einige Fragen zur Selbsteinschätzung und zum Spielen, wie berichtet. Und so ist denn auch der Museumsshop in Cloppenburg der einzige Ort, an dem Sie eine begrenzte Anzahl der Entrümpelungsspielsets erhalten können (sowie am Rande von Buchvorstellungen).

Meine Zusammenarbeit mit dem Museumsdorf ist vielfältig: Neben dem Verkauf des Spiels und von „Einfach anders wohnen“ habe ich einen Beitrag im Ausstellungskatalog geschrieben: „Warum nur alte Einfamilienhäuser glücklich machen“. So heißt dann auch mein Vortrag im Museumsdorf Cloppenburg am Donnerstag, den 24. Mai um 19.00 Uhr. (Übrigens enthält der Katalog außerdem eine kurze Polemik: „Warum man neue Einfamilienhäuser verbieten sollte“).

 

Details zum Vortrag und weitere Termine hier.

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Shopbild

Ausstellungskatalog (rechts), „Einfach anders wohnen“ und das dazugehörige Entrümpelungs-Spiel im Museumsshop in Cloppenburg.

Ein Gedanke zu „Ausstellung zum Einfamilienhaus: 4 Wände

  1. Cai-Olaf Wilgeroth

    Hallo Herr Fuhrhop,

    vielen Dank für die so positive Erwähnung unserer Ausstellung. Das freut uns aus Ihrem Munde sehr. Der Vortrag am Donnerstag (24.5.) hat bei allen Gästen einiges angestoßen, wie die Diskussion im Anschluss zeigte. Hoffentlich tragen sie es weiter und besuchen die Ausstellung daraufhin (nochmals).

    Heute las ich auf FAZ-net [http://www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/mieten-und-wohnen/zahl-der-neu-gebauten-wohnungen-waechst-nur-langsam-15604970.html], dass die Zahl neugebauter Wohnungen und Häuser in unserem Land nach Meinung von Experten (aus der Immobilienbranche!) nach wie vor zu langsam steige. Schließlich herrsche Wohnungsnot! Bei näherem Hinlesen erfährt man dann aber, dass eigentlich nicht Wohnungsnot im räumlichen Sinne, sondern eigentlich im finanziellen Sinne herrscht. Weil viele sich die hochspekulierten Preise nicht mehr leisten könnten.

    Das erinnert mich an eine Diskussion des 18. Jahrhunderts. Da herrschte in Deutschland angeblich Holznot. Das stimmte mancherorts, aber eigentlich war für alle genug Holz da. Es wurde nur vielfach falsch verteilt. Oder eben gar nicht, weil man horrende Preise aufrief. Die „Politik“ saß damals als absolute Landesherrschaft auf der Seite des Verdieners als Inhaber der Forsthoheit. Es gab fast keinen privaten Holzmarkt.

    Bei den Immobilien ist das heute anders – und alle rufen nach der Politik. Die solle schneller Baukindergeld und Bauland herausgeben. Vielleicht sollte der „Politik“ mal jemand sagen, dass das das Pferd vom falschen Ende aufzäumen hieße. Denn – wie Sie schon sagen – wir haben genug Wohnraum. Er wird nur falsch verteilt!

    Viele Grüße,
    Cai-Olaf Wilgeroth, Museumsdorf Cloppenburg

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