Stadtwandel Berlin: Abriss für Neubau

Screenshot Gentrification Blog

Der Screenshot vom Gentrification Blog zeigt den Beitrag zum Abriss von 20 Wohnungen in Prenzlauer Berg, die teuren Neubauten weichen.

Im Rückblick auf Nachrichten der Osterzeit fiel mir ein typisches und doch außergewöhnliches Beispiel dafür auf, wie Neubau von Abriss begleitet wird. Geradezu prototypisch für rücksichtslose Aufwertung ist der Abriss von 20 Wohnungen an der Straßburger Straße im Prenzlauer Berg, von dem unter anderem die Berliner Zeitung berichtet und von dem Andrej Holm einen Film auf seinem Gentrification Blog zeigt. Ungewöhnlich sind jedoch die konkreten Umstände vor Ort, die folgende Skizze verdeutlichen soll: Es stehen dort drei schlichte Zeilenbauten aus den 1960er Jahren mit 110 Wohnungen. Der Investor sagt nun scheinbar, er wolle „Stadtreparatur“ betreiben und den Block zur Straßburger Straße schließen, indem er quer zu den vorhandenen eine neue Wohnzeile baut.

Skizze PBerg

Oben sieht man, wie für den neuen Querriegel (rot) bei zwei bestehenden Wohnzeilen (schwarz) Wohnungen abgerissen werden (rote Kreuze). Unten eine Skizze, wie die angeblich gewollte Stadtreparatur ohne Abriss möglich gewesen wäre – ergänzende Neubauten nur zwischen den Altbauten.

Selbst wenn wir mal einen Moment lang davon absehen, dass ich mich in diesem Blog grundsätzlich gegen Neubau ausspreche, und uns nur den Argumenten des Bauherrn widmen, dann enthüllt sein Handeln seine wahren Interessen der Gewinnmaximierung. Um nämlich neue Wohnungen zu bauen und den Querriegel hinzustellen, reißt er bei zwei vorhandenen Wohnzeilen jeweils eine Ecke ab und vernichtet damit 20 der 110 günstigen Altbau-Wohnungen. Wäre es ihm nur um „Stadtreparatur“ gegangen, so hätte er stattdessen lediglich die Zwischenräume mit ergänzenden Neubauten gefüllt. In denen hätte er dann weniger teure neue Wohnungen unterbringen können, aber zumindest ein bisschen mehr Respekt vor dem Bestehenden gezeigt.

Knifflige Details gibt es so oder so an den verbindenden Ecken zwischen Alt und Neu, weil dort kein Licht in die Ecken mehr kommt. Das Problem kennt jeder von den Verbindungen zwischen Vorderhaus und Seitenflügel, wo man dann Treppenhäuser findet oder die nur schwach belichteten „Berliner Zimmer“. Auch dieses Problem spricht grundsätzlich dagegen, hier etwas dazuzubauen, egal auf welche Weise. Wahrer Respekt für die vorhandenen Häuser, vor der Stadt und ihren Bewohnern hätte bedeutet, die 60er-Jahre-Zeilen zu akzeptieren. Dann wären auch nicht die Bäume dazwischen gefällt worden, wie hier geschehen. Es gibt viele Beispiele, wie dann trotzdem genug zu tun ist, etwa durch behutsame Sanierung des Bestands, der hier an die schlichten Bauten aus Bremerhaven Wulsdorf erinnert.

Wulsdorf vor und nach der Sanierung

Es geht auch anders, so wie hier in Bremerhaven Wulsdorf: Schlichte Zeilenbauten vor und nach Sanierung.

Selbst wenn lediglich die geplanten zusätzlichen Wohnungen auf die Dachgeschosse aufgesetzt worden wären, dann hätte es eine Art Kompromiss gegeben. Aber dieser Investor wählte den harten Weg und konnte sich leider beim Bezirk durchsetzen: günstige Wohnungen abreißen und teure Neubauten schaffen.

Was ist dieser Beitrag Ihnen wert? Auf diesen Wegen die Wertschätzung ausdrücken. Danke!

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