Aus der Traum: Gegen Bibliotheks-Neubau in Berlin

Von allen denkbaren Nutzungen ist mir eine Bibliothek am liebsten. So habe ich als Freund der Bücher und der Bildung einen Freundeskreis für die Oldenburger Stadtbibliothek mit initiiert. Darum fiel es mir anfangs schwer, eine klare Haltung zum Wunsch der Berliner Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) zu beziehen, einen Neubau auf dem Tempelhofer Feld zu bauen.

ZLB Flyer

Wie schreibt die ZLB im linken Flyer: „Bibliotheken bleiben in der Regel im Kosten- und im Zeitplan“.

Doch zwei Ereignisse haben mich darin bestärkt, selbst bei der Bibliothek für Berlin einen Neubau abzulehnen: Mein Besuch in der Ausstellung zu den Entwürfen und die aktuelle Kostenexplosion. Eigentlich hat die ZLB gute Argumente vorgebracht, etwa Bildung auch für bildungsferne Kinder. Doch bei näherer Überlegung sind das zwar Argumente für Bibliotheken, aber nicht für einen Neubau und erst recht nicht für diesen. Die Kids aus Neukölln gehen wohl eher in eine gut ausgebaute Stadtteilbücherei nebenan als zum großen Neubautempel. Und was für ein gigantischer Klotz würde es werden! Das war ein Schock beim Besuch der Ausstellung im Flughafen Tempelhof, wo die Zeichnungen und Visualisierungen großformatig zu sehen sind. Gigantisch würde natürlich der Bau nach den Plänen von KohlmeyerOberst Architekten mit Beton auf 260 Meter Länge. Doch auch der im Vergleich dazu elegant wirkende andere Siegerentwurf von Miebach Oberholzer Architekten wäre 120 Meter lang. Gehen Sie mal 120 Meter an einem Häuserblock entlang, dann wissen Sie mehr.

Tempelhofer Flughafen nachts

In diesem Flügel des Tempelhofer Flughafens zeigt die Zentral- und Landesbibliothek Berlin die Pläne für einen Neubau.

Schließlich nun die Nachricht, dass selbst die bisher genannten 270 Millionen Euro nicht ausreichen werden, wie zum Beispiel die Berliner Zeitung berichtet. 317 Millionen Euro könnten es werden, 336 Millionen, aber vielleicht auch 350 oder gar 400 Millionen Euro. Wie steht es so schön im Flyer der ZLB: „Übrigens – die Erfahrung zeigt, Bibliotheksneubauten bleiben in der Regel im Kosten- und im Zeitplan“ (Flyer „Eine Bibliothek am Park?“). Und nun eine solche Explosion lange bevor das Bauen begonnen hat!
Nehmen wir die 270 Millionen Euro und schauen, was wir damit bei den bestehenden Bibliotheksbauten in Berlin machen können, etwa bei der eigentlich wunderschönen Amerika-Gedenkbibliothek, die leider etwas heruntergekommen wirkt. Bücher brauchen Platz, Bücher brauchen Bibliotheken, aber keine Prestigeprojekte.

P.S.: Zum Tempelhofer Feld auch ein Gespräch mit Felix Herzog von „100% Tempelhofer Feld“ – und hier ein Überblick aller Beiträge zum Tempelhofer Feld.

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Ein Gedanke zu „Aus der Traum: Gegen Bibliotheks-Neubau in Berlin

  1. Bauverbot-Blog

    Von der Zentral- und Landesbibliothek Berlin ZLB kam per E-Mail von der Pressesprecherin Anna Jacobi folgender Kommentar:

    Natürlich haben wir schon vermutet, dass ein Blog verbietet das bauen nicht wirklich zum Ergebnis kommt, dass die Zentral- und Landesbibliothek Berlin neu gebaut werden müsse. Und natürlich sind wir anderer Meinung, wie Sie ja auch in unseren Unterlagen sehen konnten. Ja, es wird ein großer Bau, weil eben die Bibliothek auch groß ist und von ca. 10.000 Menschen täglich besucht und genutzt werden wird. Die AGB auszubauen, birgt viele Risiken, vor allem jenes, das für 8 – 10 Baujahre die Bibliothek den Nutzer/innen nicht oder nur sehr eingeschränkt zur Verfügung stehen könnte.

    Ein bißchen schade finden wir es schon, wenn Sie sich nur die Zeit für einen Gesprächspartner nehmen und nicht mit beiden Seiten sprechen – auch und gerade, wenn Sie die Informationen zu den Kosten aus der Tagespresse unhinterfragt übernehmen, da hätten wir uns schon gewünscht, Sie hätten nochmal bei uns gefragt. Natürlich kann ein so großes Projekt durch Baupreissteigerungen teurer werden als geplant. Das muss durchgehend betrachtet werden und ggf. müssen Kosten weiter reduziert werden, um den Kostenrahmen zu halten. Wir sind uns dieser Verantwortung sehr bewusst.

    Dazu folgende Antwort von Daniel Fuhrhop:

    Da ich mich ohnehin gegen Neubau wende, könnte es fast egal sein, wie groß ein ZLB-Neubau würde, oder auch wie teuer, und doch missfallen mir gerade die zu großen und zu teuren Prestigeprojekte, die leider oft noch größer und noch teurer zu werden drohen. Die Entwürfe im Detail anzusehen hat diese Abneigung verstärkt. Sie haben Recht, dass auch eine Sanierung der Amerika-Gedenkbibliothek nicht einfach würde – aber das gilt in jedem Fall, denn auch sonst müssten wir uns fragen, was aus dem Gebäude der AGB werden soll.
    Die mögliche Baukostensteigerung habe ich unter Nennung der Quelle und der denkbaren Varianten zitiert, doch wenn es sich anders verhalten und die Kosten im ursprünglich geplanten Rahmen von 270 Millionen Euro bleiben sollten, würden sich bestimmt viele über die gute Nachricht freuen.

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