#Bauscham: Klimaschutzgesetze müssen Bauwut bremsen

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Screenshot der Web-Suche nach #SUVscham und #Flugscham.

Wenn ab dem 20. September „fridays for future“ zu Aktionstagen aufruft und die Bundesregierung über Klimaschutzgesetze verhandelt, dann wird zweifellos wieder vom Fliegen geredet, von SUVs und vom Fleischessen. Das spiegelt sich in Begriffen wie Flugscham, und bei Websuchen findet man auch SUV-Scham und Kreuzfahrtscham. Bisher fehlte allerdings #Bauscham: Niemand sollte stolz darauf sein, gebaut zu haben – wegen des Klimas kann man sich dafür ebenso schämen wie für Autofahren und Fleischessen.

Zum Sündenregister des Bauens zählt:

  • Der Abbau von Sand für die Betonherstellung zerstört die Natur, teilweise verschwinden Strände und ganze Inseln versinken.
  • Um Kies für Beton zu bekommen, werden Wälder abgeholzt, wie zum Beispiel nahe bei München geplant im Planegger Holz und im Forst Kasten.
  • Nicht zuletzt belastet die Betonherstellung das Klima durch die energieaufwändige Zementherstellung: Sie verursacht zwei Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen und acht Prozent der globalen, sagt der WWF in seiner aktuellen Publikation „Klimaschutz in der Beton- und Zementindustrie“ (online verfügbar, pdf öffnet direkt).

Zwar kann man vermeintliche „Energiesparhäuser“ bauen, doch sollte man sich von dieser Bezeichnung nicht verwirren lassen: Energiesparhäuser sparen keine Energie, sie verbrauchen nur weniger Betriebsenergie (vor allem Heizenergie) als andere Häuser. In einer ganzheitlichen Lebenszyklusanalyse ergibt sich daraus aber, dass der größte Energieaufwand und die größte Treibhausgasemission durch das Bauen selbst entsteht, durch die Erstellung von Gebäuden. Darum gilt: Massiver Neubau ist massive Klimazerstörung!

Deswegen ist nicht nur #Bauscham angesagt, sondern #Bauverbot. Das ist nicht so unrealistisch, wie mancher meinen mag, denn wir haben bereits genug gebaut: im Jahr 2018 gab es sogar einen #Bauüberfluss, es entstanden in Deutschland mehr neue Wohnungen, als für Zuwachs der Bevölkerung nötig gewesen wäre. Der Platz würde für alle reichen, wenn wir das Wachstum beenden – auch das Wachstum der Wohnfläche pro Person. Um Wohnraum zu schaffen, ist es das klimafreundlichste, den unsichtbaren Wohnraum zu entdecken, etwa ungenutzte ehemalige Kinderzimmer. Als Teil der Klimaschutzgesetze brauchen wir darum ein Programm für Umbau, Umzugsmanagement und Untermiete, um bestehenden Raum besser zu nutzen.

 

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2 Gedanken zu „#Bauscham: Klimaschutzgesetze müssen Bauwut bremsen

  1. Sascha Vielhauer

    Hallo Herr Fuhrhop,
    für mich ist es nicht erklärlich, wie ein scheinlich gebildet Mensch sowas von sich geben kann.

    Sicherlich mag es Freistände geben, aber diese sind nunmal meist nicht dort, wo die Menschen leben wollen und/oder müssen.
    Was nützt mir ein Leerstand in Greifswald, wenn die Arbeit in Frank am Main ist?

    Das was Sie hier ansprechen, besonders im Bezug auf die Nutzung ist schon wieder ein Fall für den Sozialismus, der noch NIE funktioniert hat und nie funktionieren wird, weil die Menschen einfach anders gestrickt sind und immer ihren eigenen Vorteil suchen werden und immer mehr haben wollen.
    Zudem möchte ich nicht in einem durch sozialismus geprägtem Land leben.

    Sollten Sie das wollen, gibt es noch ein einziges Land, dass den reinen Sozialismus pflegt. Nord Korea.
    Ich bezweifle aber, dass selbst Ihnen dieser Ort als der Richtige erscheint.

    Es tut mir leid, Sie in die Realität zurück holen zu müssen.

    Antworten
    1. Bauverbotler Beitragsautor

      Hallo Herr Vielhauer,

      selbstverständlich gibt es viel Leerstand an Orten, wo Arbeitsplätze fehlen – aber nicht nur: in vielen Gebieten von Thüringen oder grade auch an der Ostsee sind schon so lange so viele junge Menschen ausgewandert, dass heute Betriebe händeringend nach Arbeitskräften und nach Auszubildenden suchen. Wie man etwas gegen dieses regionale Ungleichgewicht machen kann, habe ich unter anderem in dem Buch „Willkommensstadt“ beschrieben. Was man nicht machen sollte, zeigt Frankfurt am Main, denn die haben am Tag der Brexit-Entscheidung eine Webseite freigeschaltet, um noch mehr Leute nach Frankfurt zu locken, in eine bereits übervole Stadt.

      Von Sozialismus habe ich nicht geschrieben, denn ich bin froh, den 9. November 1989 in Berlin erlebt zu haben und habe dort die Freude der Menschen miterlebt, endlich frei zu sein von diesem System. Sie schreiben davon, weil Sie glauben, dass meine Vorschläge „im Bezug auf die Nutzung“ etwas Sozialistisches haben – aber im Text schreibe ich, wir brauchen ein „Programm für Umbau, Umzugsmanagement und Untermiete, um bestehenden Raum besser zu nutzen.“ Damit meine ich bereits bestehende Modelle, die all denjenigen helfen, die sich ändern möchten (!), die zum Beispiel eine seriöse Vermittlung für Untermieter suchen (nach dem Modell „Wohnen für Hilfe“) oder die nicht nach einem Umzug mehr zahlen möchten als vorher in einer größeren Wohnung. Solche Lösungen habe ich im Ratgeber „Einfach anders wohnen“ (auch in dessen serviceteil) zusammengetragen, es gibt sie, und wir brauchen mehr davon.

      Mit freundlichen Grüßen
      Daniel Fuhrhop

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