Zum Beispiel Oldenburg

Bahnhof Oldenburg

Im Vordergrund drohen Neubauten die Freifläche am Oldenburger Bahnhof zu ersetzen, doch das dreischiffige Hallendach in Bildmitte wird man ohnehin bald nicht mehr sehen – es soll abgerissen werden.

Das Leben in einer kleinen Großstadt zeigt wie in einem Brennglas, was in einer Metropole womöglich außer Acht gerät: Beispiele für Abriss und Leerstand, Bauwut und Zersiedelung. Aus Anlass der Buchvorstellung am 16.9. in Oldenburg hier ein kurzer Blick auf manche Themen der Stadt, zum Beispiel vom gestrigen „Tag des Denkmals“. Bei diesem konnten die Oldenburger Abschied nehmen von der historischen Cäcilienbrücke, einer denkmalgeschützten Hubbrücke von 1927, die abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden soll. Tagesaktuell auch das obige Bild mit dem womöglich einzigen Hallendach eines niedersächsischen Bahnhofes, in den die Bahn für den 20. September zur Feier des hundertsten Geburtstages einlädt – erneut Gelegenheit zum Abschied nehmen, denn ihr Bahnhofsdach will die Bahn abreißen. Viele weitere lokale Beispiele für Abriss gab es bereits auf diesem Blog, etwa von der Burgstraße, oder auch vierzig Kilometer nördlich von der Südzentrale Wilhelmshaven. Sie macht das Buch Verbietet das Bauen! bereits unaktuell, denn dort steht auf Seite 90 noch, nach zwanzig Jahren Leerstand drohe der Abriss, aber inzwischen ist die Südzentrale gefallen.

Doch Oldenburg dient im Buch auch als positives Beispiel und mit der Geschichte vom Oldenburger Gerichtsviertel eröffnet das erste Kapitel: Die historischen Bauten aus verschiedenen Jahrzehnten sollten verkauft und teilweise abgerissen werden und durch einen Neubaukomplex ersetzt, der genau auf jener Brache hätte entstehen sollen, die oben im Bild vor dem Bahnhof zu sehen ist. Doch es kam anders, wie sowohl das Buch erzählt als auch dieser Film. Hoffen wir also, dass auch in anderen Fällen der Widerstand belohnt wird, zum Beispiel gegen ein drohendes Gartencenter, und nicht erneut der lokale Handel leiden muss, wie die Heiligengeiststraße nach dem Bau eines ECE-Centers.

Natürlich wird es bei der Buchvorstellung nicht allein um lokale Beispiele gehen, denn diese sollen nur verdeutlichen, was überall schief läuft in unseren Städten. Die Details zu Ort und Zeit finden sich auf meiner Webseite.

Buch bei Bültmann

In einer der großen inhabergeführten Buchhandlungen Deutschlands findet am 16.9. die Vorstellung von „Verbietet das Bauen!“ statt, bei Bültmann & Gerriets in Oldenburg.

Ein Gedanke zu „Zum Beispiel Oldenburg

  1. Jörn

    Alles gute für heute Abend!

    Kann leider nicht dabei sein, muss beruflich nach Hamburg, in die AK.

    Ja, in Oldenburg gibt es wahnwitzig treffliche Musterbeispiele für den munter fortschreitenden Verlust baukultureller Sensibilität. Der allabendliche Schlag ins Gemüt, den mir beim Verlassen des Bahnhofs das unsägliche Wohngebäude am ZOB zwischen VHS und VIEROL-Gebäude verpasst, ist mir schon fast ein Stück Heimat geworden. Immerhin. Auch ich wohne seit ca. 7 jahren in dieser hirnzerfressend selbstgefälligen Provinzmetropole und finde ansonsten kaum Anlässe zu Friedenschluss und keimendem Heimatgefühl.

    Alles Gute!

    Jörn

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