Unersättliche Center Teil 2 – Die nächsten sieben Millionen

Schlosshöfe Oldenburg

„Wer glaubt, man könne mit Centermachern einen Kompromiss finden, dem sei folgende Nachricht eine Lehre“ – so begann vor drei Jahren ein Beitrag auf diesem Blog, der darlegte, wie die ECE-Schlosshöfe entgegen ursprünglicher Absprachen den Saturn-Elektromarkt vom anderen, nördlichen Ende der Innenstadt abwarben, und wie die lokale Politik das erlaubte. Schon damals war dadurch die Verkaufsfläche im Center-Untergeschoss erweitert worden, weil dort die Mall verschwand und der Saturn-Markt nun die volle Breite einnimmt. Doch scheinbar war das nicht genug, um das schwächelnde Center flottzukriegen, und jetzt ist es wieder so weit: Die Centermacher wollen mehr, und zwar 1.800 Quadratmeter mehr Verkaufsfläche. Um rund ein Siebtel würde die bisherige Verkaufsfläche von 12.500 Quadratmetern dadurch steigen, wenn man den offiziellen Angaben trauen mag, aber das wäre unsinnig.
Wie bereits zur Eröffnung der ECE-Höfe dargelegt, handelt es sich tatsächlich um einen Shopping-Komplex von über 30.000 Quadratmetern: Zumindest im Erleben der Besucher macht es wenig Unterschied, ob eine Ladenfläche zu ECE gehört oder ob der offizielle Vermieter die Bremer Landesbank BLB ist; außerdem gehen die Kern-Schlosshöfe direkt in den Kaufhof über, dessen Flächen im Übergangsbereich erweitert wurden. Und bezüglich des persönlichen Kauferlebnisses ist es nicht nachvollziehbar, dass mehrere tausend Quadratmeter Gastronomie nicht zur Verkaufsfläche zählen.

Der erste Flop von ECE
Vielleicht könnte man die aktuelle Erweiterung darum auch als eine Art Legalisierung betrachten, denn mit den jetzt erlaubten zusätzlichen 1.800 Quadratmetern ist es ECE zum Beispiel möglich, den einen oder anderen Imbiss zum Handyladen umzuwidmen, der mehr Miete bringt. Ganz ähnlich soll es an anderer Ecke des Shopping-Kolosses geschehen: die bisher von der Bremer Landesbank für sich selbst genutzte Erdgeschossfläche wird zur Vermietung angeboten, etwa für Gastronomie; auch das über 500 Quadratmeter.
Dass ECE bei der lokalen Politik vorstellig wurde und die Erweiterung beantragte, ist auch der

Geschäftsaufgabe

Geschäfte in der nördlichen Innenstadt, also entgegengesetzt zum ECE-Center, haben bereits seit Jahren Probleme, manche geben auf.

Schwäche des Centers geschuldet. Lange Zeit nahmen die Konzernvertreter für sich in Anspruch, ECE habe bei inzwischen über hundert Shopping-Centern noch nie einen Flop gelandet, wie zum Beispiel 2004 hier zu lesen. Doch die Schlosshöfe muss man wohl so nennen: einen Flop von ECE. Läden standen oder stehen leer, und die Zufriedenheit der Mieter ist schon wenige Jahre nach Eröffnung bescheiden: Im Shopping-Center-Performance-Report 2016 landeten die Schlosshöfe grade mal auf Platz 210 von 269 mit einer Durchschnittsnote von 3,40.
Aus dieser Lage heraus warben die Centermacher den Saturn-Markt ab, und passend zur jetzigen Erweiterung wird ein TK Maxx-Modeladen eröffnen, mit dem voraussichtlich ebenfalls ein Stück Mall verschwindet und zu Ladenfläche in voller Breite umgewidmet wird. Zumindest der Bauausschuss hat nun auch mit den Stimmen von SPD und CDU den zusätzlichen 1.800 Quadratmetern zugestimmt.

Die Folgen
Warum soll man sich über die Erweiterung aufregen, mag mancher fragen, wo doch das Center eh schon da ist? Dazu hilft ein Blick auf die Dimensionen, von denen bei solchen Komplexen die Rede ist: Die Erweiterung der ECE-Schlosshöfe ist beinahe so groß wie die Gesamtfläche des Möbelhauses Ullmann am entgegengesetzten nördlichen Ende der Innenstadt. Und der gibt nun auf: Erst hat die Lokalpolitik vor der Stadt Möbelgroßmärkte erlaubt wie einen Möbel Buss an der Autobahn und dann, zeitnah zu ECE, einen Ikea-Möbelmarkt. Und schließlich wurde die Heiligengeiststraße am Nordende der Innenstadt nahezu planmäßig geschwächt – sie hatte ohnehin Probleme, wie hier bereits mit Fotos gezeigt, und seitdem der Saturn-Elektromarkt zu ECE ziehen durfte, steht dessen Warenhaus leer. Zu allem Überdruss hat die öffentliche Hand wenige Schritte entfernt ein Finanzamt so schlecht instandgehalten, dass es bereits nach vierzig Jahren abgerissen wird, ein Bau der Architekten von Gerkan, Marg und Partner von 1975. Unter solchen Umständen kann man nachvollziehen, wenn das renommierte Möbelhaus Ullmann aufgibt. Und das noch vor der Erweiterung des ECE-Centers, die geschätzt zusätzliche sieben Millionen zusätzliche Euro in die Kassen dort spülen wird. Jedes Jahr. Und jedes Jahr werden diese sieben Millionen Euro andernorts fehlen.

Mehr Beiträge zu Shopping-Centern hier.
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Möbel Ullmann Oldenburg

Der nächste Leerstand am Nordende der Oldenburger Innenstadt? Derzeit läuft der Ausverkauf beim Möbelhaus Ullmann. Und mehr Geld für das südlich gelegene ECE-Center wird nicht helfen.

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