Neubau in Griechenland

Screenshot Kulturzentrum Stavros Niarchos Foundation

Screenshot der Webseite zum neuen Kulturzentrum der Stavros Niarchos Stiftung in Athen.

Das Folgende ist kein Text des „Postillon“,  weil er zu absurde Fakten widergibt, als dass man sie bei einer Satire glauben würde. Auf diesem Blog wurde schon der eine oder andere Prestigebau vorgestellt, aber dass derzeit ausgerechnet in Griechenland ein Musterbeispiel dafür entsteht, hätte ich nicht gedacht – bis zu einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom vergangenen Freitag: Ein Bericht über das Kulturzentrum der Stavros Niarchos Stiftung, das derzeit in Athen gebaut wird; für 566 Millionen Euro, nach Entwurf des Stararchitekten Renzo Piano. Es handelt sich um ein neues Kulturzentrum, unter anderem für die Nationaloper und die Nationalbibliothek (die bislang scheinbar obachlos waren – upps, diese sarkastische Bemerkung ist mir so herausgerutscht). Diese Institutionen sollen 2017 vom Stadtzentrum weg- und dort einziehen. Der Neubau wird, so heißt es, selbstverständlich ökologisch vorbildlich und mit dem Ökosiegel LEED ausgezeichnet. SZ-Autorin Christiane Schlötzer legt den Gedanken nahe, das Kulturzentrum werde auch deswegen gebaut, weil die Stiftung des einstigen Reeders Stavros Niarchos dadurch mit einem anderen Kulturbau wetteifert, den die Stiftung seines einstigen Konkurrenten Onassis bereits gebaut hat.

Wenn das neue Zentrum 2017 fertig wird, schenkt die Stavros Niarchos Stiftung es dem griechischen Staat; um es griechisch auszudrücken, geht es hier wohl um ein „Danaergeschenk“, welches dem Beschenkten – wie einst das trojanische Pferd – Unheil bringt, nämlich Kosten für den Betrieb. Und an Geld mangelt es derzeit wohl zweifellos in Griechenland, weshalb die SZ die Aussage der Stiftung widergibt, diese habe 200 000 Euro für Sozialprojekte in Athen reserviert. Auch wenn es doch noch mehr sein dürfte, was diese Stiftung angesichts der Krise macht, wie deren Webseite ahnen lässt, so muss man sich fragen, ob hier die Prioritäten richtig gesetzt wurden.

Um einer besorgten Frage der Leserinnen und Leser vorzugreifen, die im SZ-Bericht geklärt wird: Selbst wenn Griechenland pleitegehen sollte – die Stiftung hat ihr Geld im Ausland.

 

Wem der Text gefiel, für den aus besonderem Anlass kein Link zur Teekasse des Autors, sondern zu Ärzte ohne Grenzen: Deren Hilfe ist nötig, weil unter anderem das Gesundheitsbudget in Griechenland drastisch gekürzt wurde.

 

Ein Gedanke zu „Neubau in Griechenland

  1. Peter

    Griechenland ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie ein Land durch die eigene, blinde Politik in den Bankrott getrieben werden kann. Dabei geht es nicht darum, dass die Menschen angeblich soviele Steuern hinterzogen hätten (wie das die Regierung gerne darstellt) sondern ganz simpel darum, dass der Staatsapparat bei weitem mehr Geld ausgegeben hat als ihm zur Verfügung stand.
    Wenngleich das nun nicht unüblich ist, hat man in Griechenland scheinbar aber überhaupt keine Idee von Wirtschaft und die Politiker selbst – wie überall in Europa auch – sowieso kein anderes Interesse als den eigenen „Wohlstand“.

    Der im Artikel genannte Prachtbau ist ein gutes Beispiel dafür, denn an Folgekosten denkt mit Sicherheit keiner der Politiker – ich glaube aber nicht, dass die Stiftung dies absichtlich machen würde. Die hat andere Gründe bei denen es natürlich auch um’s Geld geht. Man will zum Beispiel nicht wissen, wieviele „unsichtbare“ Gelder geflossen sind. Passiert ja überall anders auch.

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