Benko bedroht Bonn

Baustellenbild Shopping-Center

„Blühende Landschaften“ versprach einst Helmut Kohl in den neuen Ländern, „blühende Städte“ versprechen Centermacher wie auf dem Bild in Duisburg – doch wenn man ihren Versprechungen nicht glaubt, werden sie böse, so wie jetzt die Signa-Gruppe in Bonn.

Passender könnte der Zeitpunkt nicht sein, mit dem Buch „Verbietet das Bauen!“ nach Bonn zu kommen (Vortrag am 19. Mai), denn was dort geschieht, übersteigt noch viele der darin geschilderten Machenschaften von Investoren an Rücksichtslosigkeit. Dabei hatte eigentlich alles gut ausgesehen für die Bürger: Als die Signa-Gruppe rund um René Benko drohte, ein großes Shopping-Center mitten in der Stadt zu errichten, sammelten die Bonner mit der Initiative Viva Viktoria! über zwanzigtausend Unterschriften und verhinderten vorerst das Center.

Doch Centermacher Benko ist nicht dafür bekannt, sich allzu leicht verjagen zu lassen. Übrigens, falls Ihnen der Name bekannt vorkommt: Es ist genau jener Investor, der den Karstadt-Konzern erwarb und von großen Plänen sprach. Die Immobilien allerdings hat er inzwischen weitgehend wieder verkauft, wie die Immobilien Zeitung berichtet. In Bonn also möchte seine Signa-Gruppe trotz des und gegen den Bürgerwillen weiterhin ein Shopping-Center errichten. Es folgten „Beschwerden-Rügen-Drohungen“ gegen die Stadt, so nennt es Viva Viktoria!, und der Investor droht Bonn mit Schadensersatzforderungen. Gleichzeitig zeigt er seine Macht: Signa hat bereits einige Gebäude im Viktoriaviertel gekauft – und lässt Räume dort leerstehen. Jetzt soll zum 30. Juni auch noch das Lokal „Blow Up“ raus.

Aber auch die Bonner haben schon gezeigt, dass sie sich nicht so einfach einschüchtern lassen. Und so gingen am vorigen Mittwoch hunderte Menschen auf die Straße und

Foto Blow Up Demo

Demonstration in Bonn gegen die Leerstandspolitik von Benko und für den Erhalt des Blow Up. Foto c nikolas mueller art.

demonstrierten für den Erhalt des Blow Up, wie man beim General-Anzeiger oder bei Viva Viktoria! nachlesen kann. Gleichzeitig besetzte eine Gruppe von Aktivisten leerstehende Räume im Viktoriaviertel, wohlgemerkt war das nicht die Bürgerinitiative. Sie sieht die Besetzung kritisch, kommentiert jedoch angesichts des vierjährigen Leerstands mit Blick auf Investor Signa: „Es stellt sich hier die Frage, ob etwas, was asozial, aber legal ist, auch gleichzeitig legitim sein kann.“ Genau!

Vortrag am Do, 19. Mai, 20 Uhr im Café Blau, Infos bei der BI oder alle meine Termine hier.

Einen Überblick meiner Beiträge dieses Blogs (und in anderen Medien) zu Shopping-Centern gibt es auf meiner Webseite. „Lebendige Städte ohne Amazon und ECE“ diskutiert Kapitel 12 des Buches „Verbietet das Bauen!“.

Vielen Dank für das Foto der Demonstration an Nikolas Müller.
Zur Teekasse zum Betrieb dieses Blogs geht es hier.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.