Von Bauscham und Bauverbot: n-tv.de, Focus und Hamburger Abendblatt

Artikelbild Hamburger Abendblatt

Artikel zum Bauverbot und den Alternativen am 7. Oktober im Hamburger Abendblatt. Wie fanden das die Leser? Siehe weiteres Bild am Ende des Blogbeitrags.

Enorme Reaktionen gab es auf die Erfindung des Begriffs #Bauscham, mit vielen Mails, Tweets, Kommentaren auf dem Blog und auf Facebook sowie mit Presseberichten. Mich hatte es ja nur gewundert, dass neben Flugscham und SUV-Scham noch nie jemand von Bauscham gesprochen hatte, wo doch das Bauen zweifellos ein großes Gewicht hat bei klimazerstörenden Treibhausgasen, und es hat mich dann überrascht, mit dem Blogtext solche Resonanz zu erzielen. Die lag meiner Einschätzung nach zum Teil daran, dass Bauscham ein moralischer Begriff ist, auf den manche emotional reagieren. Nicht zuletzt ereiferten sich viele, die generell den Klimaschutz ablehnen und Bauscham daher als neuen Höhepunkt einer Klimahysterie deuteten. Die dementsprechend teilweise nicht besonders feinfühligen Kommentare erspare ich Ihnen und Euch, und gebe auch nicht die Links zu den weit rechts stehenden Onlinemedien und Videoblogs, die sich derart empörten (man findet sie leicht) – vor allem, weil die quasi nur die Inhalte der Presseberichte von n-tv.de und anderen wiedergaben oder teilweise vorgelesen haben, um dann ein, zwei abfällige oder aufgeregte Kommentare hinzuzufügen. Es lohnt also vor allem, den Bericht von Max Borowski auf n-tv.de zu lesen.

Üble Nachrede auf Focus.de

Ablehnend sind auch die Reaktionen mancher Marktliberalen; so twitterte Daniel Föst, bau- und wohnungspolitischer Sprecher der FDP,  der Begriff #Bauscham sei „ein Schlag ins Gesicht der Menschen, die unter hohen #Mieten leiden oder gar keine Wohnung finden.“ Keine Überraschung, dass FDPler für Neubau argumentieren, aber ist ihm mal aufgefallen, dass wir derzeit Rekordzahlen bei Wohnungsbau haben und gleichzeitig Rekordhöhen der Mieten? Zurückhaltender twitterte Nicola Beer, FDP, Vizepräsidentin des Europäischen Parlamentes, anstatt sich zu schämen sollten wir alles daran tun, Europa wieder zum Innovationsführer zu machen.

Verzerrend und an üble Nachrede grenzend ist die Erwähnung durch die Autoren Marc Friedrich und Matthias Weik auf Focus.de: Sie schreiben dort einen Artikel mit dem Tenor, man solle nicht wegen des Klimas so heftig gegen die Autobranche agieren, denn sonst gefährde das den Wirtschaftsstandort – und quasi um das Gewicht der Autoindustrie bei der Klimazerstörung zu relativieren, führen sie Aussagen aus dem n-tv.de-Artikel an und zitieren meine Aussage „Niemand sollte stolz darauf sein, gebaut zu haben – wegen des Klimas kann man sich dafür ebenso schämen wie für Autofahren und Fleischessen“. Bis dahin ist das korrekt wiedergegeben und auch die folgende Teilaussage passt: „Wer den CO2-Ausstoß erheblich mindern möchte muss konsequenterweise gegen den Neubau von Wohnungen (…) sein“. Doch das war nur ein Teil des Satzes, komplett schreiben sie: „Wer den CO2-Ausstoß erheblich mindern möchte muss konsequenterweise gegen den Neubau von Wohnungen und somit auch gegen Migration nach Deutschland sein, da auch diese den Bau von neuen Wohnungen mit erfordert.“ Das ist nun exakt das Gegenteil meiner Argumentation im Buch Willkommensstadt. Wo Flüchtlinge wohnen und Städte lebendig werden, denn dort wird dargelegt, dass Flüchtlinge keinen Neubau brauchen, sondern Wohnraum – und den bekommt man kurzfristig am Schnellsten im Bestand, und langfristig funktioniert Integration am Besten im Altbau. Auf meine Aufforderung, die Textstelle so zu ändern, dass klar wird, dass es nicht meine, sondern ihre eigene Aussage ist, dass man als Neubaukritiker gegen Migration sein müsse, haben Marc Friedrich und Matthias Weik nicht reagiert.

Es werde „mit Begriffen wie (…) „Bauscham“ nur so um sich geworfen“, behauptet Liane Bednarz unter dem Titel „Fakten statt Wüten“ , und zwar angeblich „bei denen, die Greta Thunberg „als „Prophetin“ feiern und selbst leise Kritik (…) niederkartätschen“, schreibt sie in den „liberal-konservativen Notizen“ in Tagesspiegel Causa. Wie radikal die Klimabewegung sei, beschreibt Tamara Wernli in der Züricher Weltwoche, und führt als Beleg unter anderem die Forderung nach einer Bauscham an.

Großes Interview im Hamburger Abendblatt

Freilich lanciere ich bewusst Begriffe wie Bauscham und Bauverbot, aber es macht Freude, wenn auch die Argumente aufgegriffen werden und die Alternativen zur Bauwut kritisch diskutiert – so geschehen im Interview mit dem Hamburger Abendblatt. Es ist online nur mit Bezahlschranke zu lesen (Online-Testabo gratis), hier der Link. Tags darauf gab es einen Folgebeitrag dort mit Stimmen, vor allem kritische aus der Immobilienbranche. Als „Frage des Tages“ befragte das Hamburger Abendblatt die Leser, ob ich Recht damit habe, „einen weitgehenden Baustopp in den Städten“ zu fordern und „stattdessen intelligente Lösungen“ zu fordern, „um den vorhandenen Wohnraum viel besser zu nutzen“. 1.323 Leserinnen und Leser stimmten ab – 70 Prozent stimmten den Forderungen zu!

 

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Ausschnitt Abendblatt

Am Tag danach: bei der Frage des Tages stimmen 70 Prozent der Leserinnen und Leser im Hamburger Abendblatt den Thesen zu.

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