Postwachstumspolitiken

Cover Buch Postwachstumspolitiken

Was nach dem Wachstum der Städte kommt, kann man sich bildlich vorstellen: Keine neuen Häuser, das bedeutet alte Häuser zu pflegen und grüne Wiesen zu bewahren. Doch wie sieht die ganze Wirtschaft ohne (oder nach dem) Wachstum aus? Welche Wege führen zur „wachstumsunabhängigen Gesellschaft“? Die Vorstellungen dieser Wege unterscheiden sich und manche verschwinden in einem Nebel diffuser Ideen. Einen klaren Blick ermöglichen möchte das Buch „Postwachstumspolitiken“, in dem sich auch ein Beitrag von Daniel Fuhrhop dazu befindet, wie ein Bauverbot konkret aussehen würde; dazu später mehr.
Freundlich gesagt vereint das Buch eine Vielfalt von Beiträgen zu Postwachstum, zu den Möglichkeiten und Grenzen einer entsprechenden Politik und zu übergreifenden Debatten. Kritischer ausgedrückt unterscheiden sich die 22 Texte derart in ihren Sichtweisen und Disziplinen, dass wohl kaum jemand von allen gleichermaßen profitieren wird. Darum sei im Folgenden eine persönliche Auswahl von Beiträgen skizziert, durch die bereits Weiterlesen

Bürgerentscheid zur Erbasiedlung Erlangen

Screenshot BI Erbasiedlung

Webseite der Bürgerinitiative für den erhalt der Erbasiedlung.

Sanierung lohnt nicht! Sanierte Altbauten würden bis zu 14 Euro den Quadratmeter kosten! Reißt den alten Kram ab! Das sind Argumente der Abrissbefürworter, die in Erlangen acht Häuser der Erbasiedlung beseitigen möchten, die als Werkswohnungen Anfang des vorigen Jahrhunderts entstanden. Für ihre Häuser kämpfen dagegen Bewohner und andere in einer Bürgerinitiative, die zumindest eines schon erreicht hat: Die Bürger in Erlangen dürfen abstimmen, und zwar am Sonntag, den 7. Mai 2017.

Zuvor hatte der Protest bereits einen anderen Erfolg: Die Weiterlesen

Wechsel beim Deutschen Architektenblatt

Cover Deutsches Architektenblatt und Buch

Der langjährige Chefredakteur des Deutschen Architektenblatts, Roland Stimpel, verlässt diese Position – ein Gespräch mit ihm über Bauen und Nichtbauen gab es hier auf diesem Blog. Ab Mai wird Brigitte Schultz Chefredakteurin; von ihr stammt das Buch „Was heißt hier Stadt?“, den Leserinnen dieses Blogs bekannt durch eine Rezension.
Beiden alles Gute wünscht Daniel Fuhrhop.

„Infrastrukturen des Glücks“ in Bremen, dann nach Bayreuth, Matrei am Brenner und Stuttgart

Foto Daniel Fuhrhop

Wie man sieht, war das bei den Grünen, auf dem Kongress „Grüner Wirtschaften“ im März 2017. Foto c Bundestagsfraktion Bündnis 90 / Die Grünen.

Im Mai stehen vier Vorträge an, und der erste in Bremen kommt nicht allein: nach dem Auftakt des Stadtkongresses Infrastrukturen des Glücks am Freitag den 5. Mai (Kurzvorträge und Diskussion) gibt es am Samstag den 6. Mai einen Workshop zusammen mit Adrienne Goehler zum „Anders- und Neudenken über die Zukunft der Stadt“.
Mitte Mai folgen drei Auftritte kurz nacheinander: in Bayreuth geht es am Donnerstag den 18. Mai auf Einladung des Klimaschutzmanagements um Flächenverbrauch, in Matrei am Brenner kommt Samstag 20. Mai ein Vortrag „Besser Umbauen ohne Neubauen“ auf dem Symposium „Altes Wissen – Neues Bauen / Realität und Potenzial“, und in Stuttgart gibt es am Montag den 22. Mai eine Podiumsdiskussion „Stein auf Stein, das muss nicht sein“ zu Nachhaltigkeit in der gebauten Umwelt. Alle Details und Links auf meiner Webseite – wir sehen uns!

Gegen Abriss in München

Flyer Sailerstraße

Ausschnitt eines Flyers der Münchner Altstadtfreunde zum drohenden Abriss.

Wenn Häuser zwar unbestreitbar einen historischen Wert haben, aber nicht denkmalgeschützt sind, kann es manchmal schnell gehen – das droht jetzt in der Münchner Sailerstraße. Die Altstadtfreunde München engagieren sich gegen den drohenden Abriss mit einer Petition an den bayrischen Landtag und mit vielen Briefen und Gesprächen mit Denkmalpflegern, doch derzeit sieht es nicht gut aus. Mehr dazu bei den Altstadtfreunden in diesem Bericht, in der Abendzeitung und aktuell unter anderem in der Süddeutschen Zeitung.
Das Bild oben ist ein Ausschnitt eines Flyers, hier kommt er komplett: Weiterlesen

Berichte zu Bauverbot & Vorträgen in Westfalen und der Lausitz, in Schrot & Korn und dem Bodo Straßenmagazin

Pressecollage

In zwei monatlichen Magazinen, drei Tageszeitungen und auf einer Webseite erschienen in den letzten zwei Wochen Berichte zu Bauverbot-Vorträgen oder Interviews mit Daniel Fuhrhop. Um diesen Blog nicht zu überfrachten, stehen alle Links ansonsten auf der Presse-Seite meiner Webseite, wo es auch Termine, Texte und Fotos gibt, aber hier nun der aktuelle Überblick. Beginnen wir mit der jüngsten Meldung in der Lausitzer Rundschau nach einem Vortrag in Cottbus: Ein idealer Ort für eine Diskussion um Nichtbauen, der die Stadt schrumpfte von 140.000 auf 100.000 Einwohnern, wie auch Weiterlesen

Grundstück in Potsdam zu verkaufen, Abriss vorausgesetzt

FH Potsdam und Landtag

Soll abgerissen werden: Nein, nicht der historisierende Landtag links, sondern die Fachhochschule rechts im Bild.

Sind Sie interessiert an der zentralsten Lage von Potsdam? Dann können Sie sich jetzt für ein Baugrundstück bewerben. Aber huch: da steht ja schon etwas! Eine Fachhochschule. Soll aber weg, soll abgerissen werden. Und dann steht da der Staudenhof mit über 180 Wohnungen. Einfache Wohnungen für wenig Geld, das erinnert an den Ruf nach „bezahlbarem Wohnraum“, der überall erklingt. Der gilt aber nicht für den Staudenhof. Zugegeben, die Stadt achtet bei den Bewerbungen für die zukünftigen Neubauten auf das beste Konzept, wie zum Beispiel die Immobilien Zeitung beschreibt. Es fällt aber auf, dass für diese Weiterlesen

Einmal Bauwut gestoppt, vielmals Bauwut gestartet: Zum Öjendorfer Park und zur Baurechts-Novelle

Foto Straße Haferblöcken

Nach der kleinen Straße „Haferblöcken“ wird auch das Baugebiet benannt, das östlich der bisherigen Wohnbauten am Öjendorfer Park entstehen soll – auf den Wiesen im Hintergrund, hier im Winterschnee.

Beginnen wir mit der aktuellen Geschichte, die vorerst gut endet: Vom Öjendorfer Park in Hamburg berichtet das erste Kapitel des Buches zur Willkommensstadt, denn dort planten Politiker aus Land und Bezirk, im Landschaftsschutzgebiet zu bauen – über den Umweg der geänderten Baugesetze für Flüchtlingsunterkünfte. Nun ist es nicht einfach für die Bürger, sich dagegen zu wehren, ohne in die Ecke jener gestellt zu werden, die generell gegen Flüchtlinge sind. Darum schildert das Buch den Zwiespalt, in dem die Hamburger sich befinden, und erzählt, wie sich gleich ein Dutzend Bürgerinitiativen in verschiedenen Stadtvierteln gründeten, meist unter Doppelbezeichnungen wie im Untertitel „Für Integration – gegen die Bebauung des Öjendorfer Parks“ der BI „natürlich mittendrin“. Übrigens habe ich mich in der Recherche für das Willkommensstadt-Buch mit Vertretern dieser und einer zweiten Bürgerinitiative am Öjendorfer Park getroffen, weil auch ich misstrauisch war und verschiedene Presseberichte gelesen hatte. Mein persönlicher Eindruck in diesen Gesprächen war, dass zumindest diese Anwohner abgewogen urteilen und sich tatsächlich für Integration, aber gegen Neubau im Park wenden. Nun zum Aktuellen: Noch bevor die Rechtslage endgültig geklärt ist, ging es vor kurzem los, Bagger fuhren und Bäume wurden gefällt, wie Weiterlesen

Bauverbot-Diskussion auf Xing-Klartext

screenshot Xing Klartext

Screenshot zur Diskussion bei „Xing Klartext“.

Zu meinen Thesen aus „Verbietet das Bauen!“ diskutieren jetzt die Leser von Xing Klartext hier.

Außerdem sind zwei Auszüge der Willkommensstadt in der Huffington Post erschienen, einer zur Geschichte von Sandra Klusmann, einer zu den Alternativen für Neubau, ein dritter folgt.

„Zukunftsfähiges Deutschland“ mit eingesparten Neubauten

Cover Bücher und Magazin Zukunftsfähiges Deutschland

Dreimal „Zukunftsfähiges Deutschland“: Links die ursprüngliche Studie von 1996, rechts die gründlich neu durchdachte Studie von 2008, und in der Mitte das Magazin, von dem dieser Blogbeitrag berichtet.

Wie es aussehen könnte, das „zukunftsfähige Deutschland“, untersuchte 1996 und erneut 2008 in zwei Studien das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie. Wie steht es zwanzig Jahre später? Wie weit sind wir den Weg gegangen, oder von ihm abgekommen? Was ist zu tun, damit auch in Zukunft Weiterlesen

Cities: Brennpunkte der Menschheit

Buchcover

Natürlich schaut man bei einem so prächtigen Bildband erstmal nicht auf die Texte, sondern auf die 130 Satellitenbilder. Sie zeigen Städte von oben, meist großzügig auf Doppelseiten, und verführen zum Raten: Ist das nicht… Barcelona? Paris? Diese dichtbebaute Stadt, müsste das nicht eine der chinesischen Metropolen sein? Und jenes regelmäßige Raster, sollte es etwa zu einer US-amerikanischen Großstadt gehören, und wenn ja, zu welcher?
Schon beim Betrachten der Bilder kommt dann allerdings zum Staunen ein gewisses Befremden hinzu. Etwa bei den endlosen Reihen der Bungalows in der amerikanischen Rentnerstadt Sun City. Sie ergeben zwar ein wunderschönes Muster, aber zugleich wirkt ihr Satellitenbild wie aus einem Lehrbuch zur Zersiedelung der Städte, als Beispiel dafür, wie Städte sich nicht entwickeln sollten. Man sieht, wie die Menschen die Erde verändert haben, und erkennt den ökologischen Fußabdruck oder „human footprint“, wie ein früherer Bildband derselben Herausgeber betitelt war. Und dieses Verständnis dafür, was die Bilder verraten, wird erheblich vertieft, wenn man dann doch Weiterlesen

Rückblick auf Stuttgarter Bauverbot-Diskussion

Bild Diskussionsteilnehmer

Im Gespräch (v. li.): Detlef Kron (Stadt Stuttgart), Frank-Peter Unterreiner (Immobilienbrief Stuttgart), Daniel Fuhrhop, Moderatorin Insa Lüdtke, Helmuth Caesar (SWSG), Architektin Ute Michaelsen, Thomas Kiwitt (Verband Region Stuttgart), Evmarie Zell (Kubus 360). – Foto: 360Akademie/Enders.

Es war nicht jeder der Architekten und Planer einverstanden mit den Bauverbot-Thesen, und die Wohnungswirtschaft ebensowenig – soviel in Kürze zur Diskussion bei der 360Akademie in Stuttgart; ausführlicher der Rückblick von Insa Lüdtke jetzt im Magazin Treffpunkt Kommune.

Neubau entwertet Sanierungen

Immobilien Zeitung Collage

Es ist kaum verlässlich zu sagen, wie hoch die Sanierungsquote in Deutschland ist, und ebenso knifflig sind korrekte Zahlen für Energieausweise – mit diesen Themen beschäftigten sich mehrere Artikel in der Immobilien Zeitung der ersten Februarwoche. Am Rande wurde erwähnt, dass die Energie zur Erstellung aller Neubauten, also zum Bauen selbst, in Berechnungen des Bundesbauministeriums gar nicht auftaucht. Effizienz wird erforscht, Suffizienz vernachlässigt – zu diesen Fragen erschien nun von mir unter dem Titel „Neubau entwertet Sanierungen“ ein Kommentar in der Immobilien Zeitung .

Überblick weiterer Texte von mir auf meiner Webseite.
Auf diesem Blog gibt es zum Thema Suffizienz zwei Berichte von Tagungen, und zwar unter dem Titel Weniger zum db-Suffizienzkongress, sowie zur Veranstaltung Mehr… durch weniger der Architektenkammer Rheinland-pfalz . Zu Suffizienzpolitik finden Sie eine Besprechung des Buches Damit gutes Leben einfacher wird von Angelika Zahrnt und Uwe Schneidewind.
Im Buch „Verbietet das Bauen!“ geht es in Kapitel 2 um scheinbar ökologisches Bauen, Kapitel 6 zeigt beispielhaft eine ganzheitliche Energiebilanz von Sanierung vs. Neubau, und Kapitel 9 widmet sich dem Umbauen – mehr dazu hier.

Das „Wir“ in der Willkommensstadt

Cover verschiedener Bücher

Das Willkommensstadt-Buch mit den wichtigsten als Referenz dienenden Büchern; es fehlt allerdings „Kalte Heimat“ des Historikers Andreas Kossert zur Geschichte von Flüchtlingen und Vertriebenen nach dem zweiten Weltkrieg.

Zum Willkommensstadt-Buch erschien auf dem Blog „Wem gehört die Welt?“ eine Rezension von Elisabeth Voß, die einige interessante Fragen stellt. Auch oder gerade weil sich die politischen Ansichten des Autors dieser Zeilen in mancher Hinsicht von denen der Rezensentin unterscheiden, lohnt es, sich mit der Kritik auseinanderzusetzen, angefangen mit der Frage aus der Rezension, wer eigentlich mit dem „Wir“ gemeint ist, das in dem Buch so oft genannt wird. Denn in der Tat plädiere ich unter anderem dafür, „dass „wir“ zusammenrücken, Leerstand und individuelle Wohnflächen einschränken, damit ausreichend Wohnraum für alle entsteht“, wie die Rezensentin zusammenfasst. Selbstkritisch sei zugegeben, einige „Wirs“ hätten aus stilistischen Gründen wegfallen können; andererseits schießt die Rezensentin übers Ziel hinaus, wenn sie mutmaßt, das „Wir“ könne Weiterlesen

XXXL-Bauwut, zum Beispiel in Gera

Tisch

Da freuen sich alle um die Wette: Endlich soll man auch in Gera Möbel einkaufen können, auf insgesamt 36.000 neu zu bauenden Möbelmarkt-Quadratmetern in einem XXXL-Lutz und einem Mömax. Auf dem Foto in der Ostthüringer Zeitung sieht man die Bürgermeisterin Viola Hahn mit dem Expansionsleiter der XXXL-Gruppe und anderen freudig in die Kamera schauen, und da will auch die Zeitung selbst nicht zurückstehen und kommentiert, dass es nun gute Aussichten für Gera gebe. Schließlich wolle die XXXL-Gruppe über sechzig Millionen Euro investieren und über 200 Mitarbeiter beschäftigen, auf einem ehemaligen Kasernengrundstück nahe der Autobahnausfahrt Gera-Langenberg. Upps. Wer diese Zeilen liest und Gera kennt, wird nun aufhorchen. Einen Möbelmarkt nahe der Autobahnausfahrt Gera-Langenberg gibt es nämlich schon. Es geht um Möbel Rieger mit über 32.000 Quadratmetern, auf denen 150 Menschen arbeiten, wie zum Beispiel beim Besuch eines früheren Bürgermeisters zu lesen war. Was wohl aus diesen 150 Arbeitsplätzen wird, wenn einer der weltgrößten Möbelhändler gleich nebenan ein konkurrierendes Haus baut? Und was aus den Arbeitsplätzen in allen anderen Möbelläden in Gera wird, wenn hier ein XXXL-Möbelangebot dazukommt?
Nun soll die Politik natürlich nicht den einen Möbelhändler vor unliebsamer Konkurrenz des anderen schützen, doch sie soll durchaus Weiterlesen

Die Elbphilharmonie und andere aktuelle Kostenexplosionen

Elbphilharmonie am Hafen

„Die Elbphilharmonie sollte das Land Hamburg ursprünglich 77 Millionen Euro kosten, nun werden es ungefähr 789 Millionen; der Flughafen Berlin-Brandenburg dürfte am Ende bei fünf Milliarden Euro landen, vielleicht auch bei sechs, sieben oder acht.“ Mit diesem Satz beginnt das Buch „Verbietet das Bauen!“, und die Eröffnung der Elbphilharmonie am 11.01.2017 bietet den Anlass nachzuschauen, wie sich die Kosten der teuersten aktuellen Bauprojekte Deutschlands seit Erscheinen der Erstauflage im August 2015 verändert haben (alle Angaben ohne Gewähr nach öffentlich zugänglichen Quellen). Von den sechs Projekten, die auf Seite 14 des Buches stehen, haben sich inzwischen bei vieren die Kosten erhöht: Weiterlesen

Europäische Städte oder amerikanische Wahlergebnisse

Amerikanische Flagge am Times Square

Kein Text gegen die USA, sondern gegen amerikanisch zerrüttete Städte.

Der folgende Text erschien am 10.01.2017, zehn Tage vor dem Amtsantritt von Donald Trump, in der taz – die tageszeitung.

Der Streit um Bauen und Städte entzündet sich zwar an einzelnen Orten: ein Haus vor dem Abriss retten, einen Acker gegen Neubaupläne schützen, einen überteuerten Bahnhof bekämpfen. Doch hinter diesen scheinbar vereinzelten Diskussionen stehen grundsätzliche Werte und Ideale, die man mit einem Gegensatz beschreiben kann – amerikanisch oder europäisch. Diese Begriffe wenden sich nicht gegen die Amerikanerinnen und Amerikaner, nicht gegen die Menschen, die in den USA leben, sondern „amerikanisch“ benennt Entwicklungen, die dort bereits seit Jahrzehnten die Städte zerstören und das Zusammenleben verschlechtern, und die dazu beitrugen, dass sich viele von den Parteien und vom Staat verabschiedet haben.
Eines der schlimmsten Beispiele für den Niedergang der amerikanischen Städte ist Detroit.
Dort sank die Zahl der Einwohner von 1,85 Millionen auf etwa 700.000, zehntausende Häuser stehen leer, andere wurden abgerissen, und so gibt es mitten in Detroit sogar wieder Äcker und Wildtiere. Mit den in den USA üblichen Begriffen kann man sagen: Fast nur Schwarze leben heute in der Innenstadt von Detroit, fast nur Weiße in den Vororten rundherum. Diese scharfe Trennung nach Hautfarbe ist auch eine Folge beinahe panikartiger Reaktionen: Sobald in einer Straße einige Nicht-Weiße zuziehen, ziehen die ersten Weißen weg, und innerhalb weniger Jahre wechselt nahezu die gesamte Einwohnerschaft – wegen Vorurteilen und Rassismus, und aus Angst davor, das Stadtviertel kippe auch sozial und es verschlechtere die Chancen der Kinder, die dort aufwachsen. Neben der Hautfarbe prägt auch die soziale Spaltung die amerikanischen Städte; Wohlhabende verschanzen sich in abgesperrten Siedlungen, den „gated communities“, während manche Stadtviertel zu No-Go-Areas werden, wo man angesichts häufiger Verbrechen besser nicht hingeht. Irgendwo zwischen diesen Extremen liegen die amerikanischen Vororte, etwa Macomb County nördlich und Monroe County südlich von Detroit. Dort wohnen die Arbeiter der Autohersteller Ford und General Motors, sie fürchten um ihre Arbeitsplätze, mancher fürchtet den Zuzug von Schwarzen in sein Wohnviertel, mancher will aus Vorurteilen heraus nicht von einer Frau regiert werden, und sie wählten 2012 mehrheitlich Obama, aber diesmal Trump.

Ruhrgebiet statt Detroit
Auch in Deutschland gingen Weiterlesen

Neu: Die Bundesregierung jetzt mit mehr Bauwut vor den und in den Städten

Fotocollage vor und in den Städten Neubau

Wir finden Bauwut überall, ob im vorstädtischen Stil wie hier in Oberursel (links) oder als hochpreisige Wohnblocks wie in der Württembergischen Straße in Berlin, für die übrigens eine Kleingartenanlage weichen musste.

Wenn im Jahr 2016 das Baugesetzbuch geändert wird, nach Jahrzehnten des Redens über Nachhaltigkeit, nach Klimakonferenzen wie wenige Tage zuvor in Marrakesch, und ebenfalls wenige Tage nach der feierlichen Verabschiedung eines Klimaschutzplans 2015, dann sollte man meinen, die Änderungen könnten nur in eine Richtung gehen: Klima schonen, Boden schützen, weniger zersiedeln und weniger versiegeln. Doch genau das Gegenteil trifft zu, denn mit einem Doppelschlag heizt die Bundesregierung die Bauwut vor und in den Städten an. Vor den Städten darf nämlich nun schneller gebaut werden, anders gesagt Weiterlesen

Weniger ist anders: Blog gestartet

 

Logo des Suffizienzbogs "weniger ist anders"

Ausgerechnet zwei gelernte Architekten haben nun einen Blog gestartet, der sich mit weniger Bauen und anders Bauen beschäftigt: Bei weniger ist anders geht es um „Suffizienz und Baukultur“. Vom Mitinitiator Arne Steffen war hier bereits die Rede beim ebenfalls von ihm ins Leben gerufenen db-Suffizienzkongress. Das Grundthema dort und beim Blog ist die „Suffizienz“ als Ergänzung zur bereits allerorten verfolgten Effizienz, und ein Beitrag des neuen Blog stellt den Stand der Dinge bei Nachbarn vor, die Deutschland diesbezüglich weit voraus sind: bei den Schweizern. Die haben  das Ziel einer 2000-Watt-Gesellschaft formuliert und diskutieren, auf welchen Wegen man es erreichen kann.

Wie weit weg wir von solchen Diskussionen in Deutschland sind, schildert ein kritischer Blog-Beitrag zu KfW-Förderungen und Weiterlesen

Ökoroutine: Damit wir tun, was wir für richtig halten

Cover Buch Ökoroutine

Viele Jahre lang brauchten Fernseher, Radios oder DVD-Spieler sogar dann viel Strom, wenn sie nichts taten; der Stromverbrauch im Leerlauf überstieg bei manchen Geräten 40 Watt. Wer solche Geräte nicht wollte, musste sich selbst darum kümmern – es kam auf die Mühe und auf das moralische Handeln des Verbrauchers an, verschwenderische Geräte zu meiden. Doch das änderte sich schlagartig mit der sogenannten Ökodesignrichtlinie der Europäischen Union: Auf einmal sind nur noch 0,5 Watt erlaubt! Man kann also kaufen, was man will, und in Bezug auf den Leerlaufstrom fällt es auf jeden Fall leicht „zu tun, was wir für richtig halten“, so der Untertitel des Buches zur „Ökoroutine“ von Michael Kopatz. Er skizziert einen Umbau unserer Gesellschaft nach der Grundidee dieses Beispiels. Klare Regeln entlasten den Einzelnen bei seinen Entscheidungen, „sei es im Haushalt, beim Einkaufen oder im Verkehr“, so steht es Weiterlesen

Teures „Sparen“ beim Prestigeprojekt

Neue Messehalle Oldenburg

Die neue Halle der Weser-Ems-Messe in Oldenburg mag man schick finden, aber Geld spart sie nicht.

„Wenn sich ein guter Freund von Ihnen für 30.000 Euro ein nagelneues Auto kauft und behauptet, dabei spare er sogar Geld, weil der neue Wagen im Jahr 300 Euro weniger koste, dann schmunzeln Sie vielleicht nachsichtig, denn das Auto wird wohl kaum hundert Jahre halten.“ So beginnt 2011 ein Artikel von mir über den geplanten Neubau einer Messehalle in Oldenburg, auf den der Text diese Zahlen dann überträgt – aber um den Faktor 1.000 höher, denn über 30 Millionen Euro kostete die Halle dann tatsächlich, und im Gegenzug sollte der städtische Zuschuss um mehr als 300.000 Euro im Jahr sinken…
… aber: Überraschung, während der Prestigebau steht, klappte es mit dem Sparen doch nicht. Die heutige Nord-West-Zeitung berichtet stattdessen, dass 2015 sogar knapp eine Million mehr als geplant an die Messegesellschaft fließen sollen. Deren Geschäft wäre ohne hohe Zuschüsse ohnehin undenkbar, denn Weiterlesen

„Willkommensstadt“: Neue Termine, neue Resonanz

Logo-Collage

Aus aktuellem Anlass ein Nachtrag zu den Informationen zur Buch-Tour, die hier vor kurzem angekündigt war: Der Termin rund um „Verbietet das Bauen!“ am Mittwoch, den 07.09. in Herford musste verschoben werden! Neuer Termin ist Mittwoch, der 09.11.
Neu dazugekommen ist Weiterlesen

Von Blumen und Menschen: Wie das „Miteinander in Oldenburg“ gestört wird

Blumenbild

Man kann sich die Zahlen anschauen, die 14.000 Quadratmeter eines neuen Gartencenters vor den Toren Oldenburgs, das nun im Bauausschuss auf den Weg gebracht wurde, oder die gut zehn Millionen Euro, die dort zukünftig umgesetzt werden und dementsprechend anderswo fehlen, wie auf diesem Blog beschrieben (Text Diese Blumen freuen nicht). Man kann aber auch die Menschen anschauen, die davon betroffen sind: Die alteingesessenen Blumenhändler und Gartenbauer, denen ein großer Konkurrent vorgesetzt wird. Die sich dagegen gewehrt haben. Die sich – eigentlich Konkurrenten – zusammengetan haben in der Initiative „Miteinander in Oldenburg„. Und die nun als Zuhörer im Bauausschuss hilflos und wütend anhören mussten, wie eine schwarzrote Mehrheit das neue Gartencenter durchgewinkt hat und für die Sorgen der bestehenden Händler wenig Worte fand (oder darauf hinwies, dass das neue Center Weiterlesen

100% Bremen: Neues Volksbegehren zum Schutz der Freiflächen

Screenshot Bürgerinitiativen

Webseite der „Initiativen für Bremen“ mit dem Aufruf, Bauwahn zu beenden.

Wie sich Bürger nicht nur gegen Neubau wehren, sondern sich für Parks, Kleingärten und anderen Freiflächen einsetzen, schildert das Buch „Verbietet das Bauen!“ bislang so: „In Bremen fordert ein Bündnis von Bürgerinitiativen dazu auf, 99 (!) Freiflächen auf Dauer nicht zu bebauen. Nachdem sie 2014 über fünftausend Stimmen gesammelt hatten, lehnte der Bremer Senat das Volksbegehren aus rechtlichen Gründen ab, doch nun starten die Bürger einen zweiten Versuch.“ (Seite 59/60). Jetzt ist es so weit: die „Initiativen für Bremen“ sammeln erneut Unterschriften, um das Grün in der Stadt zu sichern.
Auch angesichts des Zuzugs der Flüchtlinge ernten Bürger manchmal heftige Kritik, wenn Sie sich für Bäume in ihrer Nachbarschaft einsetzen, für einen Park oder für einen Pfarrgarten, wie es Weiterlesen

Das Buch „Willkommensstadt“ ist da! Blick ins Buch

Cover Willkommensstadt vor Blume

22. August 2016: Seit heute ist das Buch „Willkommensstadt – wo Flüchtlinge wohnen und Städte lebendig werden“ erhältlich. Fördern Sie Ihren lokalen Buchhändler und erwerben es dort; alle Bestell-Informationen finden Sie hier.
Fast auf den Tag genau ein Jahr ist vergangen, seit am 24.08.2015 mein Buch „Verbietet das Bauen!“ erschien, und am 31.08.2015 sagte Angela Merkel auf der Sommer-Pressekonferenz „Wir schaffen das!“ Wie wir es schaffen, dass alle Flüchtlinge gut unterkommen und obendrein die Integration funktioniert, darum geht es bei der „Willkommensstadt“. Es ist zugleich eine gedruckte Antwort auf die meistgestellte Frage zum Bauverbot-Buch, ob nämlich dessen Thesen auch angesichts des Zuzugs vieler Flüchtlinge noch gelten.
Ganz anders ist jedoch die Grundstimmung des Willkommensstadt-Buches, denn es zeigt mit einer positiven Grundhaltung, was wir bereits geschafft haben und wie wir noch mehr erreichen können. Allerdings werden Probleme nicht verschwiegen – einen kleinen Eindruck von all dem bietet der folgende Blick ins Buch.
Er beginnt mit der Geschichte einer schwierigen Diskussion: Weiterlesen

Von Hannover bis Heringsdorf: Buch-Tour 2016 „Willkommensstadt“ und „Verbietet das Bauen!“

Screenshot Webseite Veranstaltungen

Ein Screenshot meiner Webseite www.daniel-fuhrhop.de mit dem Überblick aller Veranstaltungen.

Wenn das Buch Willkommensstadt am 22. August erscheint, beginnt eine Tour zu (aktuell) 17 Orten mit Vorträgen, Buchvorstellungen und Podiumsdiskussionen – und sie beginnt gleich am Dienstag, den 23. August in Hannover. Dort geht es allerdings vor allem um Bauen und Nichtbauen unter dem Titel „Jetzt wird`s eng: Wie viel Bauen verträgt die Stadt?“, also um Themen des Buches Verbietet das Bauen!; ähnlich läuft es am 24.08. in Lüneburg, und so wird es auf der gesamten Tour eine Mischung geben: Mal steht das eine Buch im Vordergrund, mal das andere, aber auf jeden Fall erwartet Sie ein inhaltlicher Schlenker zum jeweils anderen Titel.

„Reine“ Buchvorstellungen zur „Willkommensstadt“ gibt es in Berlin, Weiterlesen

Willkommensstadt: Umschlag und Inhaltsverzeichnis

Rückseite Buch Willkommensstadt

Um den Schleier ein wenig zu lüften: Blicke auf das Cover des Buches Willkommensstadt, das am 22. August in den Buchhandel kommt, auf das Rückcover und in das Inhaltsverzeichnis. Weiterlesen

Abriss für den Parkplatz

ehemaliges Hotel frontal

Das einstige Hotel Steuding am Bahnhof Diepholz steht leer, doch zwei Investoren wollten es sanieren und neu nutzen – aber die Stadt hätte hier lieber einen Parkplatz.

Man soll mit abgedroschenen Wörtern wie „Provinzposse“ vorsichtig umgehen, aber in diesem Fall scheint der Begriff zutreffend und ist noch freundlich gewählt: Ein ehemaliges Hotel direkt beim Bahnhof von Diepholz in Niedersachsen soll abgerissen werden, nicht etwa, um einem Neubau Platz zu machen, sondern für einen Parkplatz. Und das, obwohl es bereits konkrete Kaufinteressenten gab, die das Haus kaufen und renovieren wollten. Und obwohl das Haus Weiterlesen

Statt Neubau in Weimar: Bauhaus-Museum in den Eiermann-Bau Apolda!

Foto Eiermann Bau Apolda

Im Eiermann-Bau in Apolda gab es die Leergut Konferenz der Internationalen Bauausstellung Thüringen IBA – doch was kommt jetzt? (Foto: Thomas Müller)

Der Countdown läuft, denn am 22. August erscheint das neue Buch Willkommensstadt, zu dem es in Kürze mehr Informationen gibt und jetzt schon einige hier. Doch zuvor ein kurzer Rückblick auf die letzten Termine vor meiner Sommerpause und nach der erfreulichen Preisverleihung am 25. Juni für den Text zum Willkommensdorf, siehe hier.

Da ging es am 1. Juli zur Leergutkonferenz der IBA Thüringen mit vielen interessanten Vorträgen rund um Leerstand, und am Rande der Konferenz entstand eine Idee: Denn während man im von Leerstand geplagten Apolda mühsam nach Ideen für alte Häuser sucht, und während der wunderschöne Eiermann-Bau, Ort der Tagung (siehe Bild oben), seit vielen Jahren neue Nutzer sucht, wird gerade mal zehn Bahnminuten entfernt in Weimar einer von gleich drei Museums-Neubauten für das Bauhaus Weiterlesen

Ein erster Platz und ein zweites Buch: Vom Willkommensdorf zur Willkommensstadt

Fuhrhop bei Preisverleihung

Freude über den ersten Platz beim IREBS-Ideenpreis 2016 „Immobilien für eine alternde Gesellschaft“: Daniel Fuhrhop bei der Preisverleihung. Foto: Christina Althen, Studio².

Was tun mit verödenden Dörfern, aus denen die jungen Leute weggezogen sind und nur noch die Alten blieben, während Läden schließen und Häuser verfallen? Ideen für solche Orte, für schrumpfende Regionen und ihre Häuser, präsentierte Daniel Fuhrhop in einem Text zum „Willkommensdorf – wo Flüchtlinge wohnen und das Dorf lebendig wird“; und dieser Essay erhielt am 25. Juni den 1. Platz beim IREBS-Ideenpreis 2016 „Immobilien für die alternde Gesellschaft“. Bilder und Informationen zum Preis und zur Preisverleihung gibt es in einem Beitrag auf der Webseite von Daniel Fuhrhop, doch hier auf dem Blog soll es um die Ideen des Textes gehen – und um ein neues Buch zur „Willkommensstadt“, das am 22. August erscheinen wird. Weiterlesen